Mein Weg zu mir

Manchmal beginnt ein Weg nicht mit einer großen Entscheidung. Nicht mit dem Gedanken: Jetzt verändere ich mein Leben.

Manchmal beginnt er mit einer Katze.

Bei mir hieß diese Katze Luckie.

Eine schwarze Hexenkatze und ein kleines Fenster

Luckie kam aus dem Tierheim zu uns. Sie war damals schon elf Jahre alt, chronisch verschnupft, nierenkrank und hatte eine Schilddrüsenüberfunktion. Eine richtige schwarze Hexenkatze mit ganz eigener Persönlichkeit.

Und sie hat etwas in mir berührt, das lange verschüttet gewesen war.

Durch sie begann ich wieder zu spüren, dass Verständigung nicht nur über Worte, Gesten und sichtbare Zeichen geschieht. Dass es eine Ebene gibt, auf der wir wahrnehmen, fühlen und manchmal einfach wissen.

Als Kind war mir das selbstverständlich gewesen. Irgendwann hatte ich es verloren oder vielleicht einfach nur verlernt, darauf zu vertrauen.

Luckie öffnete dieses Fenster wieder einen Spalt.

Aus der Verbindung mit ihr entstand meine Neugier auf Tierkommunikation und schließlich besuchte ich ein Seminar dazu. Damals ahnte ich noch nicht, dass ich damit einen Weg begonnen hatte, der mich immer weiter zu mir selbst führen würde.

Der Körper wusste längst mehr als mein Kopf

Luckie hatte ein Fenster geöffnet. Und was zunächst mit der Wahrnehmung einer anderen Form von Verständigung begonnen hatte, wurde nach und nach zu einer viel größeren Frage:

Wer bin eigentlich ich selbst unter all dem, was ich im Laufe meines Lebens gelernt, übernommen und über mich geglaubt hatte?

Qigong wurde zu einem ganz wesentlichen Teil dieser Suche.

Damit wurde mein Weg sehr viel körperlicher.

Ich begann zu erfahren, dass unser Körper vieles bewahrt, was wir längst vergessen oder tief in uns vergraben haben. Ängste. Erwartungen. Alte Glaubenssätze. Vorstellungen davon, wie wir sein sollten. Muster, die irgendwann einmal sinnvoll waren und die wir später einfach weiterleben, obwohl sie längst nicht mehr zu uns passen.

Qigong hat bei mir nicht von heute auf morgen etwas verändert.

Es war viel unspektakulärer und gleichzeitig viel tiefgreifender.

Schicht für Schicht begann sich etwas zu lösen. Ich lernte meinen Körper anders wahrzunehmen. Ich spürte deutlicher, was mir guttut und was nicht. Wo ich mich zurückhalte. Wo ich mich anpasse. Wo ich gegen mich selbst arbeite.

Und unter all diesen Schichten kam immer mehr von dem zum Vorschein, was tatsächlich zu mir gehört.

Nicht ein neuer Mensch.

Mehr von mir.

Und immer wieder Wegbegleiter auf vier Pfoten

Während sich mein eigener Weg weiterentwickelte, waren es immer wieder Tiere, die mir auf ihre ganz eigene Weise etwas gezeigt haben.

Nach Luckie kam Calimeo, der Freigeist. Von ihm habe ich gelernt, dass Festhalten keine Option ist. Dass Liebe nicht bedeutet, jemanden an sich zu binden und dass Freiheit manchmal auch darin besteht, dem anderen seinen eigenen Weg zuzugestehen.

Cleo wurde die stille Begleiterin von Oliver. Unaufdringlich, fein und auf ihre ganz eigene Weise immer da.

Bonnie schien keine Aufgabe zu kennen, die zu schwierig war. Wo es etwas zu lösen gab, wurde eben so lange geschaut, probiert und gedacht, bis sich ein Weg fand.

Simba hat mir etwas über tiefes Vertrauen gezeigt. Darüber, was möglich werden kann, wenn ein Wesen sich wirklich sicher fühlt und Vertrauen wachsen darf. Bei ihm habe ich erlebt, dass dieses Vertrauen sogar Heilung ermöglichen kann.

Tobi war für eine ganz andere wichtige Lektion zuständig: Leichtigkeit und Spaß. Nicht alles muss tief sein. Nicht alles muss entwickelt, verstanden oder bearbeitet werden. Manchmal darf das Leben einfach Freude machen.

Und dann kam Milo.

Der Sanfte.

Milo erinnert mich bis heute daran, dass alles seine Zeit braucht. Dass Vertrauen nicht eingefordert werden kann. Dass Entwicklung nicht schneller geschieht, nur weil wir sie gerne beschleunigen würden.

Manches wächst, wenn wir aufhören, daran zu ziehen.

Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass ausgerechnet sein Name später ein Teil von Milodao wurde: Milo, der Sanfte, und Dao, der Weg.

Der sanfte Weg.

Nicht als Weg ohne Herausforderungen. Sondern als Erinnerung daran, dass wir nichts in uns mit Gewalt verändern müssen.

Veränderung darf auch durch den Körper geschehen

Irgendwann begegnete mir die Ernährung nach den Fünf Elementen.

Auch sie wurde ein Teil dieses Weges. Denn ich verstand zunehmend, dass Körper, Geist und Seele für mich keine getrennten Bereiche sind.

Was wir essen, wie wir uns bewegen, wie wir mit uns sprechen, was wir glauben, wie wir mit unseren Gefühlen umgehen und wie wir unser Leben gestalten, wirkt zusammen.

Die Fünf-Elemente-Ernährung half meinem Körper, wieder mehr in sein eigenes Gleichgewicht zu finden. Festgehaltenes durfte sich lösen. Mein Körper begann sich zu verändern und mit ihm veränderte sich auch mein Erleben.

Für mich wurde immer deutlicher: Entwicklung muss nicht ausschließlich im Kopf stattfinden.

Manchmal führt der Weg über eine Bewegung.
Über den Atem.
Über eine Mahlzeit.
Über eine Begegnung.
Über Stille.

Und manchmal über ein Tier, das uns etwas über uns selbst zeigt.

Leitplanken auf meinem Weg

Zwei Dinge begleiten mich inzwischen wie Leitplanken: der Daoismus und die Achtsame Kommunikation.

Der Daoismus erinnert mich daran, dass nicht alles erzwungen werden muss. Dass Entwicklung ihren eigenen Rhythmus hat. Dass wir nicht ständig an uns arbeiten und uns optimieren müssen, sondern lernen dürfen wahrzunehmen, was gerade wirklich dran ist.

Die Achtsame Kommunikation hilft mir, dabei ehrlich mit mir selbst und anderen zu bleiben. Hinzuschauen, was in mir geschieht, Verantwortung dafür zu übernehmen und gleichzeitig in Verbindung zu bleiben.

Beides bringt mich immer wieder zurück zu einer einfachen Frage:

Was ist wirklich meins?

Nicht: Was wird von mir erwartet?
Nicht: Wie sollte ich sein?
Nicht: Was macht man eben so?

Sondern: Was entspricht mir?

Es gibt nicht den einen Weg zu sich selbst

Heute glaube ich mehr denn je, dass in jedem Menschen die Möglichkeit steckt, sich selbst wiederzuentdecken.

Dabei muss niemand meinen Weg gehen.

Für den einen beginnt etwas durch Bewegung. Für eine andere durch Meditation. Durch ein Gespräch, eine Krise, die Natur, eine körperliche Veränderung, eine spirituelle Erfahrung oder die leise Erkenntnis, dass das bisherige Leben irgendwie nicht mehr passt.

Vielleicht beginnt es sogar mit einer schwarzen Hexenkatze.

Entscheidend ist für mich nicht, wo wir anfangen.

Entscheidend ist, dass wir bereit werden hinzuhören.

Auf unseren Körper. Auf unsere Gefühle. Auf das, was uns lebendig macht. Auf das, was sich eng anfühlt. Und auf diese manchmal sehr leise innere Stimme, die längst weiß, wenn etwas nicht mehr zu uns gehört.

Ich glaube nicht, dass wir dafür jemanden brauchen, der uns sagt, wer wir sind oder wohin wir gehen müssen.

Aber ich glaube an die Kraft einer guten Begleitung.

An Menschen, die ein Stück mitgehen, ohne zu ziehen. Die Impulse geben, ohne Antworten vorzugeben. Die einen Raum halten können, wenn etwas in Bewegung kommt. Und die darauf vertrauen, dass jeder Mensch sein eigenes Tempo und seinen eigenen Weg hat.

Vielleicht ist genau das der rote Faden meines eigenen Weges geworden.

Ich habe nicht gelernt, wie man ein anderer Mensch wird.

Ich habe gelernt, immer mehr von dem loszulassen, was mich daran gehindert hat, ich selbst zu sein.

Und genau darin liegt für mich heute die eigentliche Veränderung: nicht jemand Neues zu werden, sondern endlich bei mir anzukommen.

Alles, was ich gesucht habe, war nie außerhalb von mir – es war der Weg zurück zu mir selbst.

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