Ein leiser Hoffnungsschimmer zwischen Unsicherheit und Sehnsucht
Es ist deutlich zu spüren, dass wir in einer besonderen Zeit leben. Vieles ist unsicher geworden und Vertrautes hat Risse bekommen. Die Nachwirkungen von Corona, Bilder von Krieg, wirtschaftliche Spannungen und dieses leise Gefühl von Ungewissheit begleiten viele von uns. Und gleichzeitig bleibt da etwas anderes. Eine Sehnsucht nach Halt, nach Sinn, nach einem inneren Ort, der ruhiger ist als das Außen. Vielleicht ist genau hier der Punkt, an dem Ostern eine neue Bedeutung bekommt.
Ostern beginnt im Dunkeln
Im christlichen Sinne erzählt Ostern keine Geschichte von einer heilen Welt. Es beginnt im Dunkeln, in Angst, in Verlust, in einem Moment, in dem vieles zerbricht. Und genau dort geschieht Wandlung. Still und fast unbemerkt. Wie ein erstes Licht, das sich ganz vorsichtig zeigt. Ein Licht der Hoffnung, das nicht alles sofort hell macht, aber dennoch sichtbar wird. Das Leben kehrt zurück, nicht als fertige Lösung, sondern als Möglichkeit.
Hoffnung als innere Bewegung
Vielleicht können wir Ostern heute so verstehen. Hoffnung ist kein Zustand, den man erreicht. Sie ist eine Bewegung. Eine Bewegung, die wir auch aus dem Qigong kennen, wenn etwas in uns wieder ins Fließen kommt, wenn Enge sich ein wenig weitet und der Atem tiefer wird, ohne dass wir ihn zwingen. Im Dao heißt es, dass alles im Wandel ist und dass Festhalten zu Stagnation führt, während Loslassen Raum schafft für Neues. Ostern erinnert uns genau daran, dass Wandlung nicht entsteht, weil wir sie machen, sondern weil wir aufhören, uns dagegen zu stellen.
Achtsam bleiben im Ungewissen
In einer Zeit, die so viele Fragen offenlässt, ist das vielleicht die eigentliche Praxis. Achtsam zu bleiben, nicht innerlich zu verhärten, sondern wahrzunehmen, was gerade da ist, auch wenn es Unsicherheit oder Angst ist. Und gleichzeitig offen zu bleiben für das, was sich zeigen will. Vielleicht ist das eine sehr moderne Form von Auferstehung. Immer wieder neu in Kontakt zu kommen mit dem eigenen Atem, mit dem eigenen Körper, mit dem, was lebendig ist.
Ein leises Trotzdem
Ostern sagt nicht, dass alles gut wird. Aber vielleicht sagt es, dass Leben möglich bleibt. Dass sich etwas in uns aufrichten kann, selbst in schwierigen Zeiten. Nicht als große Geste, sondern als leises Trotzdem. Ein Atemzug, der wieder etwas freier wird. Ein Moment, in dem wir weicher werden. Ein kleines inneres Ja zum Leben. Und vielleicht ist genau das das Licht der Hoffnung, das wir gerade brauchen. Still, unaufgeregt und getragen von einer tiefen, kaum sichtbaren Kraft.
Manchmal bringt dir das Leben etwas bei. Nicht durch ein Buch, nicht durch eine kluge Übung, sondern durch ein kleines zitterndes Wesen unter dem Sofa.
Ich hatte schon Katzen. Ich dachte also, ich kenne das. Eine neue Katze kommt ins Haus, braucht ein paar Tage, vielleicht ein bisschen länger, und dann wird das schon. So war es bisher immer gewesen. Also ging ich ganz entspannt davon aus, dass ich auch diesmal weiß, wie es läuft.
Milo hatte offenbar andere Pläne.
Er kam als Angsttier. Kein Schnurren, kein vorsichtiges Um-die-Ecke-Schauen, kein neugieriges Beschnuppern. Er war einfach weg. Unsichtbar. Er fraß nur, wenn niemand hinsah, und verschwand sofort, sobald ich mich auch nur ein kleines bisschen bewegte. Die ersten Wochen sahen wir ihn nur über die Infrarot-Catcam in seinem sicheren Einzelzimmer. Alles in mir schrie, dass ich etwas tun sollte. Ihm zeigen, dass er sicher ist. Ihn überzeugen. Ein bisschen nachhelfen.
Ich hatte dreißig Jahre Achtsamkeit und Kommunikation im Gepäck. Ich kannte all die klugen Konzepte. Und trotzdem war mein erster Impuls ganz schlicht: Ich muss das jetzt regeln.
Genau da wurde es interessant.
Wu Wei. Handeln ohne zu erzwingen
Wu Wei ist ein Prinzip aus dem Daoismus. Oft wird es als Nicht-Handeln übersetzt, was ein bisschen in die Irre führt. Es geht nicht darum, nichts zu tun. Es geht darum, nichts zu erzwingen. Das Richtige geschehen zu lassen, statt es mit Druck herbeizuführen.
Für mich bedeutete das im Zusammenhang mit Milo etwas sehr Konkretes: aufhören, ihn überzeugen zu wollen. Keine ausgestreckte Hand, kein Locken, kein leises Überreden. Stattdessen einfach im Raum sein. Lesen, Tee trinken, leben. So, als wäre er längst Teil von allem.
Klingt einfach. War es nicht.
Ziran. Die Dinge sie selbst sein lassen
Ziran beschreibt so etwas wie Natürlichkeit. Das, was entsteht, wenn niemand mehr daran herumformt. Wenn nichts gedrückt, gezogen oder beschleunigt wird.
Genau das brauchte Milo. Einen Raum ohne Erwartungen. Ohne dieses sanfte, aber doch spürbare „Komm doch mal raus“. Einfach Zeit. Und die Erlaubnis, genau so zu sein, wie er eben war.
Also habe ich ihn in Ruhe gelassen. Nicht im Sinne von egal. Ich habe ihm Futter hingestellt, leise mit ihm gesprochen und für Sicherheit gesorgt. Aber ich habe aufgehört, an ihm herumzudenken. Kein innerer Zeitplan, kein heimliches Hoffen auf Fortschritte.
Ich habe gewartet, ohne zu warten.
Und dann, eines Tages, saß er einfach neben mir. Umkreiste mich immer näher, bis er schließlich mich berührte.
Nicht, weil ich etwas richtig gemacht hatte. Sondern weil er so weit war.
Spieltrieb, Cleo und eine ziemlich entspannte Annäherung
Was danach kam, hätte ich am Anfang nicht für möglich gehalten. Milo entpuppte sich als kleiner Wirbelwind mit einer großen Leidenschaft für alles, was sich bewegt. Stoffmäuse hatten plötzlich keine Chance mehr, der Flur wurde zur Rennstrecke, und jeder Kratzbaum zum Abenteuerspielplatz.
Und dann war da noch Cleo. Unsere ältere Katze nahm das Ganze mit einer Mischung aus Würde und milder Genervtheit hin. Milo forderte sie mit einer charmanten Dreistigkeit heraus, die mich mehr als einmal zum Lachen brachte. Und irgendwie fanden die beiden ihren Rhythmus. Ohne dass ich eingreifen musste. Ohne großes Management.
Auch hier wieder: nichts erzwingen, einfach geschehen lassen.
Und was hat das mit uns zu tun
Ich denke oft an Milo, wenn ich mit Menschen arbeite. Der Impuls ist erstaunlich ähnlich. Wenn etwas nicht funktioniert, versuchen wir meist mehr. Mehr erklären, mehr analysieren, mehr tun. Dabei brauchen viele Prozesse vor allem eines: Raum.
Wu Wei erinnert daran, dass nicht alles besser wird, wenn wir uns mehr anstrengen. Und Ziran zeigt, dass sich vieles von selbst ordnet, wenn wir aufhören, ständig daran herumzuziehen.
Milo liegt heute auf dem Kratzbaum neben mir, während ich das schreibe. Entspannt, präsent und ziemlich zufrieden mit sich und der Welt. Er ist übrigens auch der Namensgeber von Milodao geworden.
Warum? Weil seine Geschichte genau das zeigt, was mir wichtig ist: Sanfter sein. Geduldiger sein. Mit sich selbst und der Welt. Dem Leben zutrauen, dass es seinen eigenen Rhythmus hat.
Über die Kunst, sich nicht mit Krankheit zu identifizieren
Es passiert schleichend. Irgendwann sagt jemand in weißem Kittel einen Satz, und wir tragen ihn von da an wie einen unsichtbaren Rucksack mit uns. „In Ihrem Alter wird das nicht mehr besser.” „Damit müssen Sie jetzt leben.” „Die Schulter ist halt so.” Und wir nicken. Schreiben es auf. Machen es zu einem Teil unserer Geschichte. Zu einem Teil von uns.
Ich kenne das. Nicht nur vom Hörensagen.
Das Etikett klebt – wenn wir es zulassen
In der Traditionellen Chinesischen Medizin und im daoistischen Denken gibt es keine Trennung zwischen Körper, Geist und Lebensenergie. Eine Körperregion ist kein defektes Maschinenteil, das irgendwann ausgetauscht oder abgeschrieben werden muss. Er ist Teil eines lebendigen Systems im ständigen Wandel und Wandel ist das einzige, was im Dao wirklich konstant ist.
Wenn wir aber eine Diagnose annehmen wie ein endgültiges Urteil, wenn wir sagen „Ich habe Arthrose – da kann man nichts machen”, dann tun wir etwas Entscheidendes: Wir hören auf zu fließen. Wir erstarren in einem Bild von uns selbst, das ein Moment, ein Befund, ein müder Satz beim Arzt gezeichnet hat. Und das Qi, unsere Lebensenergie, folgt dem Geist. Stagnation im Denken erzeugt Stagnation im Körper.
Das ist keine esoterische Behauptung. Das ist beobachtbare Wirklichkeit.
Selbstverantwortung ist kein Vorwurf
Ich möchte hier ausdrücklich innehalten, denn dieser Punkt wird leicht missverstanden: Selbstverantwortung bedeutet nicht, dass Krankheit „selbstverschuldet” ist. Es bedeutet nicht, Diagnosen zu ignorieren oder medizinische Behandlung abzulehnen. Es bedeutet etwas ganz anderes und viel Subtileres.
Es bedeutet: Ich bin nicht meine Diagnose. Ich lebe mit einer Situation – aber ich bin nicht diese Situation.
Im Daoismus spricht man von Wu Wei, dem Prinzip des nicht erzwingenden Handelns, des Fließens im Einklang mit dem Lebendigen. Das Gegenteil davon ist nicht Aktivismus oder Kontrolle. Das Gegenteil davon ist Resignation. Sich festsetzen. Sich einrichten in dem, was man einem gesagt hat.
Selbstverantwortung beginnt mit der Frage: Was ist noch möglich? Was kann mein Körper noch lernen, noch spüren, noch entdecken?
Was Qigong damit zu tun hat
Qigong ist in seinem Kern kein Bewegungsprogramm. Es ist eine Praxis der Wahrnehmung. Wir lernen, den Körper von innen zu bewohnen – achtsam, neugierig, ohne Urteil. Wir bewegen nicht gegen Schmerz oder Einschränkung, sondern wir bewegen uns in Dialog mit dem, was ist.
Und in diesem Dialog beginnen viele Menschen etwas zu entdecken, das sie für unmöglich gehalten hatten: dass der Körper sich erinnert. Dass Beweglichkeit zurückkommt, die längst verloren schien. Dass Schmerz nachlässt, wenn er endlich gehört wird, statt bekämpft zu werden.
Das ist keine Magie. Das ist Physiologie – und es ist Philosophie. Es ist die daoistische Erkenntnis, dass Lebendiges sich verändert, wenn wir aufhören, es festzuhalten.
Ende der Fünfzig ist kein Verfallsdatum
Ich beobachte in meinen Kursen und meinem Umfeld immer wieder dasselbe Bild: Menschen Ende vierzig, fünfzig, sechzig, die sich mit Diagnosen abgefunden haben wie mit schlechtem Wetter. Die nicht mehr fragen, sondern verwalten. Die den Körper nicht mehr als Begleiter erleben, sondern als Problemquelle.
Und ich verstehe das. Ich war selbst dort. Nach einer Schulter-OP, mit der Aussage im Gepäck, dass 80 Prozent Beweglichkeit für mein Alter das Realistischste sei. Und alles in mir wollte diese Aussage annehmen, weil Annehmen so viel einfacher ist als Forschen.
Aber der Daoismus lehrt uns: Das Wasser findet immer einen Weg. Nicht durch Kraft. Durch Ausdauer, Neugier und die Bereitschaft, sich dem Hindernis nicht zu ergeben, sondern darum herumzufließen.
Eine Einladung, kein Aufruf
Ich schreibe das nicht, um Diagnosen kleinzureden oder Ärzte zu kritisieren. Ich schreibe es, weil ich glaube, dass wir uns sehr viel schneller mit Urteilen abfinden, als gut für uns ist. Weil ein Satz zur falschen Zeit viel Lebendigkeit stilllegen kann.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst – wenn du spürst, dass du eine Diagnose mit dir trägst, die sich schwerer anfühlt als sie müsste – dann ist das vielleicht eine Einladung. Keine Aufforderung zur Verleugnung. Sondern zur Neugier.
Was wäre, wenn da noch mehr Spielraum ist, als man dir gesagt hat?
Was wäre, wenn dein Körper noch nicht fertig ist mit dir?
Im Dao ist nichts jemals ganz fertig. Alles atmet. Alles wandelt sich. Auch du.
Frühjahrsmüdigkeit aus Sicht der TCM verstehen und sanft in die Kraft kommen
Kennst du das? Die Sonne scheint, die Vögel sind schon im Aktivmodus und eigentlich sollte alles nach Aufbruch und Neuanfang klingen. Und du? Du könntest dich wieder ins Bett legen. Schwere Beine. Träge Gedanken. Null Motivation. Willkommen in der berühmten Frühjahrsmüdigkeit. Während sie im Westen oft mit Hormonen oder Wetterumschwüngen erklärt wird, schaut die Traditionelle Chinesische Medizin etwas tiefer. Und vor allem freundlicher. Denn aus Sicht der TCM ist das kein „Fehler“ deines Körpers, sondern ein Zeichen, dass er gerade im Übergang ist. Und Übergänge dürfen langsam sein.
Frühling bedeutet Neubeginn im Körper
In der TCM ist jede Jahreszeit mit einer bestimmten Energie verbunden. Der Frühling gehört zum Element Holz und zu Leber und Gallenblase. Diese Energie steht für Wachstum, Bewegung, Kreativität und Aufbruch. Alles möchte nach oben und nach außen. So wie die Knospen an den Bäumen. Auch dein Qi, deine Lebensenergie, will jetzt wieder fließen. Nach dem Winter, der eher ruhig, speichernd und zurückgezogen ist, braucht der Körper allerdings einen Moment, um hochzufahren. Wenn dieser Wechsel stockt, fühlen wir uns müde statt lebendig. Das bedeutet nicht, dass ein Fehler im System ist. Wir sind nur noch nicht ganz angekommen.
Warum wir uns schlapp fühlen
Drei typische Muster aus Sicht der TCM
1. Das Leber-Qi kommt nicht ins Fließen
Die Leber sorgt in der TCM dafür, dass Energie frei zirkulieren kann. Wenn wir im Winter viel gesessen, schwer gegessen oder Stress angesammelt haben, staut sich diese Energie. Das fühlt sich an wie eine Blockade im Inneren. Typische Zeichen sind: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Reizbarkeit, Druck im Kopf oder Brustkorb und Stimmungsschwankungen. Man könnte sagen: Die Energie wäre da. Sie kommt nur nicht vom Fleck.
2. Die Milz ist erschöpft
Unsere Verdauungskraft, in der TCM Milz genannt, wandelt Nahrung in Energie um. Zu viel Zucker, Brot, Milchprodukte oder kalte Speisen schwächen sie. Dann entsteht sogenannte Feuchtigkeit. Das klingt harmlos, fühlt sich aber an wie ein nasser Wollmantel: Schwer, träge und Bewegung hindernd. Viele kennen das als typisches Nachmittagstief oder Müdigkeit direkt nach dem Essen.
3. Das Yang ist noch im Winterschlaf
Der Winter gehört zum Yin. Wir ziehen uns zurück, schützen und vor der Kälte, sollten eher passiv sein. Im Frühling soll das Yang wieder aufsteigen. Dann geht es um Aktivität, Wärme und Aufbruch. Manche Körper brauchen dafür einfach länger. Das zeigt sich durch Frieren, langsamen Kreislauf, müdes Aufwachen und Startschwierigkeiten am Morgen. Wie ein alter Computer, der erst einmal hochfahren muss.
Was jetzt wirklich hilft
Sanfte Wege zurück in deine Kraft
Die gute Nachricht ist: Du musst dich nicht zwingen, produktiver zu sein. Der Frühling will keine Härte. Er will Bewegung und Leichtigkeit. Hier kommen einfache und bewährte TCM-Tipps.
Bewegung ist Medizin
Nichts bringt das Leber-Qi schneller ins Fließen als sanfte Bewegung. Spaziergänge, Qigong, Dehnen, Schütteln, Tanzen in der Küche oder einfach draußen sein. Es muss kein Workout sein. Dein Körper möchte eher geschmeidig als erschöpft sein. Bewege dich so, dass du danach mehr Energie hast als vorher.
Iss leichter und grüner
Der Frühling liebt frische, leichte Nahrung. Gut tun: Blattgemüse, Kräuter, Sprossen, Suppen, Gedünstetes Gemüse, ein Spritzer Zitrone, Bitterstoffe wie Löwenzahn oder Rucola. Weniger hilfreich sind: Zucker, viel Brot und Weizen, Milchprodukte, frittierte oder sehr schwere Speisen. Dein Bauch wird es dir danken. Und dein Kopf gleich mit.
Geh mit dem Licht
Die Natur steht früher auf. Wir dürfen das auch: Früher schlafen, morgens Licht tanken, Fenster öffnen, tief durchatmen. Das hilft deinem inneren Rhythmus enorm. Der Körper versteht Licht besser als jeden Wecker.
Nutze die Zwischenzeiten – deine Dojozeiten
Gerade jetzt, in der Zeit dazwischen, der Dojozeit liegt ein Schlüssel. Hier können wir bewusst auf uns achten. Und uns auf den Wandel vorbereiten. Nicht nur körperlich, sondern auch emotional und energetisch. Ein paar Minuten Meditation, bewusstes Atmen, sanftes Dehnen oder ein kleiner Spaziergang im Freien sind mehr als Pausen. Sie sind kleine Kraftquellen, die dein Qi wieder ins Fließen bringen.
Wer diese Zeiten bewusst nutzt, erlebt den Frühling leichter, voller Energie und ohne die bekannten Müdigkeitserscheinungen. So wird Frühjahrsmüdigkeit gar nicht erst zum Dauerbegleiter.
Räume innerlich und äußerlich auf
Frühling ist auch eine Zeit des Loslassens: Alte Dinge aussortieren, Gedanken klären, Emotionen bewegen, Ballast abwerfen. In der TCM ist die Leber auch für Gefühle zuständig. Besonders für aufgestaute. Manchmal hilft ein Gespräch. Manchmal ein Tagebuch. Manchmal einfach ein guter Seufzer. Alles darf wieder fließen.
Mein Blick als Therapeutin
In meiner Arbeit als Qigonglehrerin, Meditationstrainerin und TCM-Therapeutin erlebe ich jedes Jahr dasselbe. Viele Menschen denken, sie müssten jetzt sofort leistungsfähig sein. Dabei braucht der Körper nur ein bisschen Unterstützung und Freundlichkeit.
Frühjahrsmüdigkeit ist kein Defizit. Sie ist eine Einladung. Langsamer starten. Dich neu ausrichten. Alte Energie loslassen. Dich wieder bewegen.
Und die Dojozeit ist die Zeit, in der wir uns auf den Neubeginn, den Wandel vorbereiten. Wie ein Baum im Frühling. Der macht ja auch keinen Stress. Er wächst einfach.
Ein kleiner Impuls zum Schluss
Vielleicht fragst du dich heute nicht: Warum bin ich so müde? Sondern: Was würde mir jetzt guttun? Ein Spaziergang, eine Tasse Tee, zehn Minuten Qi Gong oder einfach ein tiefer Atemzug am offenen Fenster. Manchmal beginnt neue Energie mit einem kleinen Schritt in die richtige Richtung.
Wie oft fühlen wir uns müde und erschöpft und können gar nicht verstehen, warum! Manchmal liegt es daran, dass wir ungefragt mehr geben als uns und anderen gut tut.
Wenn gute Absichten zu viel werden
Neulich in einem meiner Kurse sagte eine Teilnehmerin: „Ich kenne so viele, die genau das brauchen und es macht mich wahnsinnig, dass sie das nicht machen.“ Mein erster Gedanke: Jeder geht in seinem eigenen Tempo. Manche schnell, manche langsam und manche im Rückwärtsgang. Doch es bleibt ihr Tempo, nicht unseres.
Manchmal wundern wir uns, warum wir erschöpft sind. Wir versuchen, anderen alles zu geben, was wir für richtig halten. Dabei haben wir nur die besten Absichten im Sinn. Die harte Wahrheit: Viele dieser Geschenke sind gar nicht gefragt, nicht nötig oder schlicht unerwünscht. Genau wie bei einem Geschenk, das man ungebeten überreicht, steht es nutzlos herum oder belastet im schlimmsten Fall sogar den Beschenkten. Und wir fühlen uns am Ende leer und erschöpft.
Wünsche nur für das eigene Herz
Beim Lesen eines Buchs über die Raunächte stolperte ich über den Satz: „Niemals formuliere einen Wunsch für jemand anderen.“ Ich nickte innerlich sofort. Wir können nur unsere eigenen Bedürfnisse wirklich erkennen. Ein Wunsch für jemand anderen klingt liebevoll, trägt aber oft die versteckte Botschaft: Ich weiß besser, wie dein Leben laufen sollte. Eine Form der Übergriffigkeit mit Glitzer und Schleifchen.
Die Falle gut gemeinter Fürsorge
Ich selbst bin ein sehr fürsorglicher Mensch. Ich teile gern Rat, Socken und Seelenpflaster. Und doch überschreite ich damit manchmal unbemerkt eine Grenze: Ich greife in den Verantwortungsbereich anderer ein. Nicht aus Absicht, sondern aus Fürsorge. Wenn wir nicht aufpassen, stapeln wir die Geschenke. Wir geben unsere Energie, aber niemand hat danach gefragt. Das dient niemandem.
Abgrenzung ist ein doppeltes Ja
Das Wichtigste, das ich gelernt habe: Abgrenzung ist keine Einbahnstraße. Sie schützt nicht nur mich vor den Erwartungen und Energien anderer. Sie schützt auch andere vor meiner ungebetenen Fürsorge. Ich darf mich selbst aus dem Leben anderer heraushalten. Raum lassen ist manchmal die schönste Form von Wertschätzung. Ein Ja zu mir und ein Ja zur Selbstbestimmung des anderen.
Was Qigong uns lehrt
Im Qigong üben wir genau diese Haltung. Wir stehen in unserer Mitte, verwurzelt und klar. Wir lenken unsere Energie, aber nicht die der anderen. Wir beobachten, ohne zu korrigieren und lassen los, was nicht in unserer Zuständigkeit liegt. Wer Qigong praktiziert, kennt dieses befreiende Gefühl, wenn man akzeptiert, dass nicht alles in den eigenen Händen liegt.
Achtsame Kommunikation als Beziehungskunst
Achtsam kommunizieren heißt: begegnen, ohne zu steuern. Wir hören zu, ohne zu reparieren. Wir lassen Raum, ohne ihn mit gut gemeinten Ratschlägen zu möblieren. Und wir atmen tief durch, bevor wir handeln. Loslassen und Bleibenlassen fällt oft schwerer als Festhalten und Handeln.
Vertrauen statt Einmischen
Vielleicht ist die schönste Form der Fürsorge die, die von Vertrauen getragen ist. Vertrauen, dass jeder Mensch seinen Weg kennt. Vertrauen, dass unser Beitrag nicht darin besteht, ihr oder sein Leben mitzugestalten, sondern klar und liebevoll bei uns selbst zu bleiben. Und Vertrauen, dass harmonisches Miteinander gelingen kann, wenn alle Seiten ihr eigenes Tempo leben dürfen.
Abgrenzung ist also kein kaltes Nein, sondern ein warmes Ja zu uns selbst. Und manchmal die eleganteste Art, die Welt nicht zu retten, sondern zu respektieren.
Wie wir mit der Qualität des Winters und der Kraft achtsamer Kommunikation innere Wärme und Verbundenheit bewahren
Wenn die Tage kürzer werden
Die Tage werden kürzer, die Dunkelheit dehnt sich aus. Für viele Menschen ist das eine Herausforderung. Der Körper reagiert auf weniger Licht, der Geist sehnt sich nach Wärme und Lebendigkeit. Die Natur zieht sich zurück und wir spüren diesen Impuls in uns ebenso deutlich wie die Tiere und Bäume um uns herum.
Im Jahreskreis von Qigong und chinesischer Medizin hat diese Zeit eine besondere Bedeutung. Sie lädt uns ein, innezuhalten und die feinen Zwischentöne unseres eigenen Lebensrhythmus zu hören.
Die chinesischen Jahreszeiten und der Rhythmus von Yin und Yang
Während wir im Westen vor allem in vier Jahreszeiten denken, kennt die traditionelle chinesische Medizin einen differenzierteren Zyklus. Hier entstehen fünf Phasen mit klar erkennbaren energetischen Qualitäten: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Zugleich wird betont, dass jede Jahreszeit eine Übergangszeit besitzt, die sogenannte Dojo-Phase, die dem Element Erde zugeordnet ist.
In diesem System beginnt der Winter nicht erst mit dem kürzesten Tag des Jahres. Die Wintersonnenwende ist vielmehr die Mitte und der Höhepunkt des Winters. Sie markiert die tiefste Yin-Phase. Es ist der Moment größter Ruhe und Verdichtung, eine Zeit, in der die Natur nahezu unsichtbar atmet und im Inneren Kraft sammelt.
Der Winter beginnt bereits 36 Tage vor dieser tiefsten Dunkelheit. Die Energie zieht sich nach innen zurück, die Tage wirken schwerer und der Körper meldet ein wachsendes Bedürfnis nach Rückzug.
36 Tage nach der Sonnenwende öffnet sich die Dojo-Phase. Sie dauert 18 Tage und ist eine Erdzeit voller Vorbereitung, Klärung und Stillwerden. Danach beginnt der Frühling, also die Holzphase, deren Mitte wiederum die Tagundnachtgleiche bildet. Der Aufbruch beginnt also lange vor dem sichtbaren Zeichen der Gleichheit von Tag und Nacht.
Dieses zeitliche Verständnis macht sichtbar, wie feinfühlig die chinesische Naturbeobachtung ist. Alles verläuft in Wellen und Übergängen. Kein Anfang fällt aus dem Himmel, kein Ende stürzt plötzlich ein. Die Natur achtet die Stufen. Und wir können lernen, unsere eigenen Übergänge ebenso achtsam zu begleiten.
Die Qualität des Winters und des Elements Wasser
Im Qigong ist der Winter dem Element Wasser zugeordnet. Wasser verkörpert Tiefe, Weisheit, innere Ruhe, Regeneration und die Fähigkeit, mit dem natürlichen Fluss des Lebens zu gehen.
Das Wasser löst die Härte des Jahres in Stille auf. Es lehrt uns, loszulassen, langsamer zu werden und in der Ruhe Vertrauen zu finden.
Der Winter ist nicht die Zeit des äußeren Erblühens. Er ist die Zeit, in der wir unsere Wurzeln nähren. Alles, was im Frühling wachsen soll, braucht jetzt Stille, Nahrung und innere Sammlung.
Ein Blick in die Wissenschaft
Auch die westliche Wissenschaft bestätigt diese Rhythmen. Weniger Tageslicht bedeutet, dass der Körper länger Melatonin bildet und gleichzeitig weniger Serotonin. Viele Menschen erleben dadurch Müdigkeit, weniger Antrieb oder eine gedämpfte Stimmung. Das ist kein persönliches Versagen, sondern eine biologische Reaktion.
Es hilft, sich nicht gegen diese Phase zu stemmen, sondern mit ihr zu gehen. Mehr Schlaf, mehr Pausen, mehr Wärme, mehr Nähe zu sich selbst. Selbstfürsorge ist in dieser Zeit keine Option, sondern ein natürlicher Bestandteil des Jahreszyklus.
Winter und Kommunikation
Auch unsere Kommunikation verändert sich im Winter. Während der Sommer oft extrovertiert und lebendig ist, lädt der Winter uns ein, mehr zuzuhören und weniger zu senden.
Es ist eine Zeit der achtsamen Zwischentöne. Eine Zeit, in der wir innehalten, bevor wir reagieren. Eine Zeit, in der wir spüren dürfen, was ein Moment braucht, bevor wir ihn mit Worten füllen.
Achtsame Kommunikation im Winter bedeutet, Räume zu schaffen, in denen Stille nicht unangenehm ist, sondern nährt. Räume, in denen wir uns selbst hören, bevor wir sprechen. Räume, in denen Verbindung nicht nur durch Worte entsteht, sondern durch Präsenz.
Ein Licht für jeden Tag
Zum Abschluss ein kleiner Impuls, der dich sanft durch die dunkleren Wochen begleitet:
Nimm dir jeden Abend etwas Lichtvolles für den kommenden Tag vor. Etwas, das Verbundenheit schafft und deinen Tag heller macht.
Das kann ein kurzer Dank sein, ein bewusstes Lächeln, ein liebevoller Gedanke am Morgen, ein Spaziergang im ersten Licht oder ein warmes Wort für jemanden, der dir begegnet.
Je bewusster du diese kleine Flamme setzt, desto leichter fällt es, morgens aufzustehen, ganz gleich wie dunkel, neblig oder nass der Tag beginnt.
Denn das Licht, das du suchst, wohnt längst in dir.
Manchmal schickt uns das Leben genau das Wetter, das wir brauchen, auch wenn es ganz anders ist, als wir es uns vorgestellt hatten. Als ich vor Kurzem eine Woche Bildungsurlaub auf Borkum leitete, war alles sorgfältig geplant: Qigong am Strand, Atmung im Rhythmus der Wellen, die Kraft der Weite spüren. Doch kaum waren wir angekommen, fegte ein Sturm über die Insel. Orkanböen, peitschender Regen, aufgewühltes Meer.
Qigong im Freien? Kaum denkbar. Statt sanfter Bewegungen in der Meeresbrise gab es drinnen eng zusammenrückende Menschen, tropfende Regenjacken und das Heulen des Windes in den Fenstern.
Mein Widerstand
Ich spürte, wie sich in mir Widerstand regte. Ich hatte ein Bild von Ruhe, Leichtigkeit und Bewegung in der Natur im Kopf und nun passte nichts davon. Ich wollte den Wind vertreiben, die Wolken auflösen, das Programm „retten“. Doch der Sturm ließ sich nicht beeindrucken.
Irgendwann merkte ich: Das, was da draußen tobte, tobte auch in mir. Und genau das wollte gesehen werden.
Loslassen heißt: mich selbst nicht mehr festhalten
Im Qigong üben wir, körperlich, geistig und emotional loszulassen. Es klingt leicht, doch in Momenten, in denen wir etwas anders haben wollen, zeigt sich, wie tief das Thema wirklich geht. Ich begann, meinen Plan, meine Vorstellungen, ja, auch meinen Perfektionismus loszulassen. Stattdessen versuchte ich, mich dem Geschehen anzuvertrauen: dem Wind, der Unruhe, dem Unplanbaren.
Wir übten drinnen, improvisierten, lachten über den Lärm draußen. Ich spürte, wie mit jedem Tag mehr Weichheit in mir entstand. Kein heroisches „Ich trotze dem Sturm“, sondern eher ein inneres „Ich tanze mit dem Sturm“.
Geschehen lassen – der natürliche Fluss
In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist alles in Bewegung. Nichts bleibt, wie es ist. Wind ist Veränderung. Er ist manchmal mild, manchmal heftig, aber immer eine Einladung, flexibel zu bleiben. Ich begann, diesen Wind nicht mehr als Gegner zu sehen, sondern als Lehrer. Er erinnerte mich daran, dass ich nicht alles kontrollieren kann und muss.
Loslassen heißt nicht, etwas wegzugeben, sondern es fließen zu lassen. Und manchmal bedeutet das einfach: sich hinsetzen, tief atmen und das, was gerade passiert geschehen lassen.
Das Licht danach
Erst nach der Woche, auf meiner Rückreise, riss der Himmel auf. Die Sonne brach durch, die Landschaft, durch die ich fuhr, zeigte ihre liebliche Seite. Das Licht war wieder da, sowohl draußen als auch in mir. Nicht, weil der Sturm vorbei war, sondern weil ich aufgehört hatte, gegen ihn anzukämpfen. Und auf einmal fühlte sich mein Herz so voll an, als wollte es überlaufen.
Fazit: Mit dem Wind gehen
Diese Woche auf Borkum hat mich erinnert, dass Leichtigkeit nicht entsteht, wenn alles ruhig ist, sondern wenn wir bereit sind, uns im Unruhigen zu entspannen. Loslassen, geschehen lassen, Leichtigkeit finden. Das ist kein Ziel, sondern eine Haltung.
Vielleicht ist das die Essenz von Qigong und vom Leben selbst: Nicht starr zu werden, wenn der Wind weht, sondern mitzuschwingen. Nicht alles festhalten zu wollen, sondern dem Wandel zu vertrauen. Denn das Licht ist immer da, manchmal nur verborgen hinter den Wolken.
Wie Qigong uns dabei unterstützt
Qigong lehrt uns, in Bewegung und in Ruhe gleichermaßen präsent zu bleiben. Mit jedem Atemzug, mit jeder sanften Bewegung erinnern wir unseren Körper daran, dass Leichtigkeit nicht von außen kommt, sondern aus dem freien Fluss des Qi entsteht. Wenn wir üben, weich zu bleiben, wie etwa die Äste einer Weide, lernen wir, mit den Stürmen des Lebens zu wachsen, statt ihnen zu widerstehen.
So wird Loslassen zu einer Quelle von Kraft. Und vielleicht ist genau das die wahre Leichtigkeit: nicht die Abwesenheit des Windes, sondern die Fähigkeit, mit ihm zu tanzen.
Der Herbst ist die Zeit des Loslassens. Die Natur zeigt uns jedes Jahr aufs Neue ganz selbstverständlich , wie Wandlung aussieht . Die Blätter verfärben sich, lösen sich vom Baum, und nichts daran ist traurig. Es ist einfach der Lauf der Dinge.
Auch für mich persönlich ist in diesem Herbst Loslassen das große Thema. Wir geben das Pachtgrundstück auf, das ich zu Coronazeiten gepachtet hatte, um dort im Freien weiter Kurse geben zu dürfen. Fünf Jahre lang haben wir diesen Ort mit Leben gefüllt: Bäume gepflanzt, Früchte geerntet, gemeinsam geübt, gelacht und viele Sonnenuntergänge genossen.
Dieses Stück Erde war für mich mehr als nur ein Platz. Es war ein Ort des Wachstums, der Begegnung und der Verbindung mit der Natur. Und doch spüre ich: Jetzt ist es Zeit, loszulassen.
In meinen Kursen und Workshops höre ich von neun von zehn Teilnehmenden, dass ihnen das Loslassen schwerfällt. Das hätte ich vor zehn Jahren genauso gesagt. Damals klang Loslassen für mich nach Verlust, nach Aufgabe, nach Ende. Heute erkenne ich: Loslassen ist Teil des Wandels und Wandlung ist Leben.
Der Herbst in der TCM – Zeit des Metalls und der Klarheit
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist der Herbst dem Metall-Element zugeordnet. Es steht für Klarheit, Struktur und das Loslassen von Überflüssigem. So wie die Natur sich jetzt zurückzieht und Ballast abwirft, dürfen auch wir innerlich Ordnung schaffen und loslassen, was nicht mehr zu uns gehört – alte Muster, Erwartungen oder Verpflichtungen.
Das Metall-Element ist eng verbunden mit der Lunge und dem Dickdarm – zwei Organe, die das Ein- und Ausatmen, das Aufnehmen und Abgeben verkörpern. Wenn wir nicht loslassen, staut sich Energie. Wenn wir zu sehr festhalten, kann das die Energie des Metalls schwächen und uns traurig oder eng machen.
Im Qigong üben wir genau das: den Wandel zuzulassen. Mit jedem Atemzug nehmen wir Neues auf und geben Altes ab. So entsteht Harmonie zwischen Innen und Außen, Körper und Geist, Mensch und Natur.
Loslassen als Bewegung – nicht als Verlust
Loslassen ist kein passives Geschehen, sondern eine bewusste Bewegung – sanft, aber kraftvoll. Es bedeutet, Vertrauen zu haben: dass das, was gehen darf, seinen Sinn erfüllt hat, und dass Neues entstehen kann.
Die Natur hält sich nicht am Sommer fest. Sie folgt ihrem Rhythmus, ihrem tiefen Wissen um den Wandel. Wenn wir uns darauf einlassen, spüren wir, dass Loslassen nicht Verlust bedeutet, sondern Befreiung.
Loslassen ist die Voraussetzung für Neubeginn. So wie jeder Herbst den Samen für den nächsten Frühling in sich trägt, so trägt auch jedes Loslassen den Keim für etwas Neues.
Loslassen lernen – Schritt für Schritt
Loslassen fällt uns oft schwer, weil es mit Emotionen wie Trauer oder Angst verbunden ist. Doch wir können lernen, die Perspektive zu verändern: weg vom Verlust, hin zur Leichtigkeit.
Diese Fragen können dir helfen:
Was darf jetzt gehen, damit Platz entsteht für Neues?
Was halte ich fest, obwohl es mich mehr kostet als nährt?
Und: Was könnte leichter werden, wenn ich loslasse?
Wenn wir den positiven Aspekt des Loslassens in den Mittelpunkt stellen, wird es zu einem Akt der Selbstfürsorge. Loslassen bedeutet dann nicht, etwas aufzugeben, sondern uns selbst Raum zu schenken.
Fazit: Der Atem des Lebens
In der TCM und im Qigong ist der Atem Symbol für das Leben selbst: ein ständiges Kommen und Gehen, ein rhythmischer Wechsel von Aufnehmen und Abgeben.
Loslassen ist kein Ende. Es ist ein Atemzug des Lebens. So wie die Natur sich wandelt, dürfen auch wir im Wandel wachsen.
Wir alle sehnen uns nach Orientierung, nach einem inneren Kompass, der uns durch die Herausforderungen des Lebens leitet. In der daoistischen Philosophie gibt es ein uraltes Werkzeug, das genau dabei helfen kann: die 8 Bagua. Sie sind mehr als nur ein Bestandteil des Feng Shui oder hübsche Symbole auf einem Kompass – sie sind Ausdruck von Lebensprinzipien, innerer Dynamik und universeller Ordnung.
Die Bagua stammen aus dem I Ging (Buch der Wandlungen) und symbolisieren grundlegende Kräfte des Lebens. Sie können uns dabei unterstützen, die Welt und unser eigenes Leben besser zu verstehen – und bewusster zu gestalten.
Was sind die Bagua?
Die Bagua (auch: Ba Gua) sind acht archetypische Wandlungsbilder oder Lebensaspekte. Sie setzen sich jeweils aus drei durchgezogenen oder unterbrochenen Linien (Trigrammen) zusammen. Diese Linien stehen für Yang (durchgezogen) und Yin (unterbrochen) – die beiden Grundprinzipien der daoistischen Weltanschauung. Aus ihrer Kombination entstehen acht Trigramme, die jeweils für einen bestimmten Lebensbereich, eine Naturkraft und einen inneren Zustand stehen.
In ihrer Gesamtheit bilden sie eine Art Landkarte des Lebens – innerlich wie äußerlich. Sie laden uns ein, in Balance zu kommen und bewusst mit den natürlichen Zyklen und Qualitäten des Lebens umzugehen.
Die 8 Bagua im Überblick
Hier eine kurze charakterisierende Beschreibung jedes Trigramms – verbunden mit einer Einladung zur Reflexion und Anwendung im Alltag:
☰ Qian – Der Himmel
Bedeutung: Schöpferkraft, Führung, Durchsetzung, Vaterprinzip Element: Himmel Qualität: Yang pur – aktiv, initiierend, kraftvoll Impuls: Wo kann ich Verantwortung übernehmen und bewusst gestalten? Wo lebe ich meine schöpferische Kraft?
☱ Dui – Der See
Bedeutung: Freude, Kommunikation, Offenheit, jugendliche Leichtigkeit Element: See Qualität: Heiter, inspirierend, verbindend Impuls: Wo darf mehr Leichtigkeit in mein Leben kommen? Wo kann ich mehr Freude zulassen?
☲ Li – Das Feuer
Bedeutung: Klarheit, Erkenntnis, Leidenschaft, Vision Element: Feuer Qualität: Leuchtend, durchdringend, bewegend Impuls: Was entfacht mein inneres Feuer? Wo wünsche ich mir mehr Klarheit?
☳ Zhen – Der Donner
Bedeutung: Neubeginn, Veränderung, Impuls, Aufbruch Element: Donner Qualität: Plötzlich, kraftvoll, erschütternd Impuls: Wo bin ich zu sehr in der Komfortzone? Wo wartet ein Neuanfang auf mich?
☴ Xun – Der Wind
Bedeutung: Sanfte Durchdringung, Einfluss, Weisheit, Flexibilität Element: Wind Qualität: Still und stetig wirkend, tief Impuls: Wo kann ich sanfter, aber beharrlich wirken? Wo wünsche ich mir mehr Tiefe?
☵ Kan – Das Wasser
Bedeutung: Tiefe Gefühle, Intuition, Krise, Wandlung Element: Wasser Qualität: Fließend, geheimnisvoll, durchdringend Impuls: Welche Ängste oder Unsicherheiten darf ich anschauen? Was will durchflossen werden?
☶ Gen – Der Berg
Bedeutung: Ruhe, Rückzug, Kontemplation, Grenze Element: Berg Qualität: Stabil, ruhig, bewahrend Impuls: Wo brauche ich mehr Rückzug und Klarheit? Wo darf ich eine Grenze setzen?
☷ Kun – Die Erde
Bedeutung: Hingabe, Fürsorge, Empfang, Mutterprinzip Element: Erde Qualität: Yin pur – nährend, empfangend, tragend Impuls: Wo darf ich mich mehr hingeben? Was braucht Fürsorge – in mir oder im Außen?
Die Bagua im Alltag leben
Die Bagua sind keine abstrakten Konzepte, sondern kraftvolle Spiegel des Lebens. Du kannst sie ganz praktisch nutzen:
Reflexion: Spüre regelmäßig in dich hinein. Welcher Lebensaspekt ruft gerade nach Aufmerksamkeit? Nutze die Bagua als Spiegel für deine innere Verfassung.
Meditation: Nimm dir jeden Tag ein Trigramm und erforsche, wie es sich in deinem Leben zeigt. Was will gelebt werden? Was braucht Balance?
Ein Weg zu mehr innerer Balance
Die acht Bagua erinnern uns daran, dass das Leben aus unterschiedlichen Qualitäten besteht und dass jede davon ihren Platz hat. Es geht nicht darum, immer in Harmonie zu sein, sondern im Wandel bewusst zu leben. So, wie sich Tag und Nacht, Sonne und Regen, Aktivität und Ruhe abwechseln, so bewegen wir uns auch innerlich durch verschiedene Phasen und Themen.
Die Bagua können dabei zu einem liebevollen Wegweiser werden und uns lehren, bewusster, weiser und verbundener mit dem großen Ganzen zu leben.
Für die Kurse im Energieraum habe ich zu jedem der Bagua Meditationen geschrieben, die ich nach und nach in die Kurse und Workshops einbinde. Damit möchte ich dabei unterstützen, einen Zugang zu diesem alten Wissen der Daoisten zu finden.
Wir alle gehen mit einer gewissen Erwartungshaltung durchs Leben, wie es für uns zu laufen hat. Diese Erwartungshaltung wird jedoch zwangsläufig von der Realität nicht immer erfüllt. Es gibt Dinge, Verhalten, Menschen, Schicksalsschläge, die uns nicht gefallen. Unsere spontane Reaktion ist meist Abwehr: „Ich will das nicht!“ „Das ist doch nicht richtig!“, „Das darf so nicht sein!“ Häufig können wir jedoch diese Situationen, das Verhalten anderer Menschen oder bestimmte Zustände nicht ändern. Wir streiten also in diesen Momenten mit der Realität. Zurzeit erlebe ich viele unzufriedene Menschen. Der Frühling war verregnet und immer noch ist kein schönes und trockenes Wetter in Sicht. Wetter – Ein Fakt, auf den wir definitiv keinen Einfluss haben.
Kraftraubender Kampf
Streit kostet Kraft und tut uns nicht gut. Und wenn es sich um unabänderliche Dinge handelt, vergeuden wir unsere Kraft in einem Kampf, den wir nicht gewinnen können.
Dabei verkrampfen und verspannen wir und fügen uns so weitere negative Empfindungen zu. Wir sind damit beschäftigt, in den Widerstand und die Abwehr zu gehen, anstatt zu lernen, wie wir mit der Krise umgehen können.
Akzeptanz bedeutet, unveränderbare Zustände so anzunehmen, wie sie sind, statt gegen sie anzukämpfen.
Dabei sollte Akzeptanz keineswegs mit Passivität verwechselt werden, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Statt in einem aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen anzukämpfen, nehmen wir mit bewusster Akzeptanz unser Schicksal aktiv in die Hand. Akzeptanz ist eine aktive Handlung, mit der wir uns bewusst von fruchtlosem Widerstand lösen und Themen bewusst loslassen, um Kraft für wirksame Handlungen zu bewahren.
Bewusste Akzeptanz ist entspannend und heilsam für Körper und Seele und sorgt für inneren Frieden. Sie hilft dabei, dem Fluss des Lebens zu vertrauen.
Gefühle annehmen
Das Akzeptieren einer Situation heißt auch, dass wir alle Gefühle, die aufgrund der Situation in uns aufsteigen, annehmen. Mit den Gefühlen ist es genau so, wie mit aufmerksamkeitsbedürftigen Kindern! Je mehr wir sie ignorieren, umso quengeliger und präsenter werden sie. Drängen wir sie weg, tut es ihnen nicht gut und sie werden immer lauter und lauter, um unsere Aufmerksamkeit zu erlangen. Genauso verhält es sich mit den Gefühlen. Verdrängte Gefühle können uns beherrschen und überwältigen
Das Leben hält immer wieder unvorhersehbare Ereignisse für uns bereit, die uns nicht gefallen. Eine akzeptierende Grundhaltung hilft dabei, mit dem Unabänderlichen umzugehen und macht so das Leben leichter.
Die Akzeptanz bewahrt uns nicht vor den Tiefschlägen des Lebens, aber sie lässt uns leichter damit zurechtkommen.
Körperlicher Bezug
In der TCM ist das Thema Akzeptanz im Funktionskreis Lunge/Dickdarm angesiedelt. Die Lunge steht auf der seelischen Ebene für das vorbehaltlose Ja zum Leben und damit zu allem im Leben, ob es uns gefällt oder nicht. Der Dickdarm hingegen steht für das mutige und deutliche Nein. Beide Organe stehen für das Loslassen. Die Lunge für das Loslassen von Zweifeln und Kämpfen, der Dickdarm für das Loslassen von allem, was nicht guttut.
Die Atmung spielt somit eine besonders große Rolle, wenn wir uns mit dem Thema Akzeptanz auseinandersetzen. Oft sind auch Symptome der Lunge und des Dickdarms zu beobachten, wenn man sich besonders schwertut, zu akzeptieren.
Symptome der Lunge
Symptome des Dickdarms
Infektanfälligkeit
Verdauungsprobleme
Müdigkeit
Nase/Nebenhöhlen verstopft
Antriebslosigkeit
Nacken- und Schulterprobleme
Zukunftsangst
Depressive Verstimmungen
Verspannungen in Schulter und Nacken
Eine akzeptierende Grundhaltung ist erlernbar. Meditationen können dabei unterstützen, ebenso wie regelmäßige Entspannungsübungen und bewusstes Atmen.