- Sommerhitze und Mittagsruhe
In unserer Leistungsgesellschaft gilt Ausruhen oft noch immer als Schwäche.
Dabei machen uns viele südliche Länder seit Jahrhunderten etwas vor.
Wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, wird das Leben ruhiger. Die körperlich anstrengenden Arbeiten finden morgens oder am Abend statt. Dazwischen gönnen sich viele Menschen eine Pause.
- Stärke beginnt unten
Wer Qigong praktiziert, lernt irgendwann, Bewegung anders zu denken. Nicht als Aktion, die aus Armen oder Schultern kommt, sondern als etwas, das aus der Erde aufsteigt.
In der chinesischen Medizin gibt es eine Vorstellung, die das sehr schön beschreibt: Die Energie steigt durch die Fußleitbahnen auf und sammelt sich zunächst im unteren Dantian, dem energetischen Zentrum im Unterbauch. Von dort fließt sie weiter durch den Chong Mai, den „Durchströmungskanal“, der durch den Rumpf verläuft, bis ins Brustbein. Und von hier kann sie sich, wenn der Körper offen und entspannt ist, bis in die Fingerspitzen ausbreiten.
- Als meine Schultern „Nein“ sagten
In der Traditionellen Chinesischen Medizin betrachten wir den Körper nicht als Maschine, die gelegentlich Fehlermeldungen produziert. Er ist ein Gesprächspartner, einer, der selten in vollständigen Sätzen spricht, sondern in einer eigenen Sprache aus Ziehen, Druck und Verspannungen, die wir meist erst bemerken, wenn sie lauter werden.
Nacken und Schultern sind dabei besonders beredte Stellen. In der TCM stehen sie in enger Verbindung mit dem, was wir tragen, was wir kontrollieren wollen und wo wir uns innerlich verkrampfen. Je mehr ich versuchte, die neue Website zu erzwingen, desto schwerer wurden die Schultern, desto steifer der Nacken. Als hätte mein Körper längst verstanden, was mein Kopf noch nicht wahrhaben wollte: Hier stimmt die Richtung nicht.
- Niksen und Daoismus: die Kunst, einfach zu sein
Unsere Welt scheint permanent in Bewegung zu sein. Selbst Entspannung wird inzwischen optimiert. Atemtechnik App hier, Morgenroutine dort, Achtsamkeit bitte effizient in sieben Minuten. Und selbst beim Ausruhen entsteht schnell dieser heimliche Gedanke:
„Ich sollte die Zeit vielleicht doch sinnvoller nutzen.“
Genau darin liegt die kraftvolle Wirkung des Niksens.
Einfach mal aus dem Fenster schauen, ohne nebenbei einen Podcast zu hören.
Im Garten sitzen und den Wolken beim Vorüberziehen zusehen.
Den Tee trinken, solange er noch heiß ist, statt ihn kalt neben dem Laptop wiederzufinden.
- Das Leben feiern
Das Leben feiern braucht keinen besonderen Anlass und keine große Bühne. Es darf auch leise sein, fast unscheinbar, und ist deswegen nicht weniger wert.
- Der innere Zweifler und die leise Stimme in dir
Kennst du diesen Moment, in dem du eigentlich spürst, was für dich richtig wäre und gleichzeitig meldet sich sofort etwas in dir, das fragt: „Bist du sicher?“ Genau dort zeigt sich oft der innere Zweifler. Ein leises, aber störendes Hintergrundrauschen.
- Ostern in unserer Zeit
Ostern sagt nicht, dass alles gut wird. Aber vielleicht sagt es, dass Leben möglich bleibt. Dass sich etwas in uns aufrichten kann, selbst in schwierigen Zeiten. Nicht als große Geste, sondern als leises Trotzdem. Ein Atemzug, der wieder etwas freier wird. Ein Moment, in dem wir weicher werden. Ein kleines inneres Ja zum Leben. Und vielleicht ist genau das das Licht der Hoffnung, das wir gerade brauchen. Still, unaufgeregt und getragen von einer tiefen, kaum sichtbaren Kraft.
- Was mein Kater mich über den Daoismus lehrte
Für mich bedeutete das im Zusammenhang mit Milo etwas sehr Konkretes: aufhören, ihn überzeugen zu wollen. Keine ausgestreckte Hand, kein Locken, kein leises Überreden. Stattdessen einfach im Raum sein. Lesen, Tee trinken, leben. So, als wäre er längst Teil von allem.
- Deine Diagnose bist nicht du!
In der Traditionellen Chinesischen Medizin und im daoistischen Denken gibt es keine Trennung zwischen Körper, Geist und Lebensenergie. Eine Körperregion ist kein defektes Maschinenteil, das irgendwann ausgetauscht oder abgeschrieben werden muss. Er ist Teil eines lebendigen Systems im ständigen Wandel und Wandel ist das einzige, was im Dao wirklich konstant ist.
Wenn wir aber eine Diagnose annehmen wie ein endgültiges Urteil, wenn wir sagen „Ich habe Arthrose – da kann man nichts machen”, dann tun wir etwas Entscheidendes: Wir hören auf zu fließen. Wir erstarren in einem Bild von uns selbst, das ein Moment, ein Befund, ein müder Satz beim Arzt gezeichnet hat. Und das Qi, unsere Lebensenergie, folgt dem Geist. Stagnation im Denken erzeugt Stagnation im Körper.
- Erwartungen loslassen mit Hilfe des Dao
Erwartungen sind wie unsichtbare Fäden. Sie verbinden uns mit dem, was wir uns von anderen erhoffen, was andere von uns erwarten und was wir von uns selbst verlangen. Je mehr dieser Fäden, desto enger das Netz, desto schwerer die Bewegung.
- Warum wir im Frühling so müde sind
Kennst du das? Die Sonne scheint, die Vögel sind schon im Aktivmodus und eigentlich sollte alles nach Aufbruch und Neuanfang klingen. Und du? Du könntest dich wieder ins Bett legen. Schwere Beine. Träge Gedanken. Null Motivation.
Willkommen in der berühmten Frühjahrsmüdigkeit.
Während sie im Westen oft mit Hormonen oder Wetterumschwüngen erklärt wird, schaut die Traditionelle Chinesische Medizin etwas tiefer. Und vor allem freundlicher. Denn aus Sicht der TCM ist das kein „Fehler“ deines Körpers, sondern ein Zeichen, dass er gerade im Übergang ist. Und Übergänge dürfen langsam sein.
- In deiner Mitte bleiben
Wir leben in einer Zeit, in der ständig etwas an uns zieht. Nachrichten, Erwartungen, Gespräche, Konflikte, Tempo. Alles fordert Aufmerksamkeit. Alles möchte ein Stück unserer Energie.
Oft merken wir erst am Ende eines Tages, wie leer wir uns fühlen. Als hätten wir uns überall verteilt, nur nicht bei uns selbst. Wir funktionieren, reagieren, passen uns an. Und irgendwo auf dem Weg verlieren wir den Kontakt zu unserer eigenen Kraft.
Dabei liegt genau dort unsere größte Stabilität. In unserer Mitte.
In der eigenen Mitte zu sein bedeutet nicht, dass im Außen alles ruhig ist. Es bedeutet, dass wir innerlich ruhig bleiben, auch wenn es um uns herum stürmt. Dass wir spüren, was zu uns gehört und was nicht. Dass wir uns nicht von jeder Stimmung, jeder Meinung oder jeder Erwartung mitreißen lassen.
- „Ich bin (nicht) genug“
Die Welt braucht keine perfekten Menschen. Sie braucht echte. Menschen, die bereit sind, mit dem, was sie heute sind, einen Schritt nach vorne zu gehen. Mit allem, was sie wissen, und allem, was sie noch lernen werden. Mit Herz, mit Humor und mit der Bereitschaft, sich selbst nicht länger zurückzuhalten.
- Wenn du dem Körper nicht zuhörst und er plötzlich laut wird
Vielleicht kennst du das auch: Du liebst deine Arbeit und machst einfach immer weiter. Vielleicht begleitest du sogar andere mit Achtsamkeit, Präsenz und Herz und übersiehst dabei immer wieder dich selbst. Bis der Körper irgendwann nicht mehr höflich anklopft, sondern sehr deutlich sagt: Stopp! Jetzt bin ich dran!
- Wenn das Leben scheinbar aus dem Ruder läuft
Das Leben stellt uns immer wieder vor Situationen, die wir nicht steuern können. Entwicklungen, die kommen, ob wir bereit sind oder nicht. Veränderungen, die sich unserem Wunsch nach Sicherheit entziehen. Manchmal sind es große Einschnitte, manchmal scheinbar banale Dinge wie das Wetter.
- Frieden beginnt bei dir
In einer Zeit, in der Nachrichten uns täglich mit Konflikten, Unsicherheit und Sorgen konfrontieren, sehnen sich viele von uns nach Frieden. Wir wünschen uns Ruhe inmitten der Unruhe, Klarheit inmitten der Komplexität und ein Gefühl von Sicherheit, das nicht vom Weltgeschehen abhängt.
Doch Frieden beginnt nicht erst draußen in der Welt. Er beginnt drinnen, bei uns selbst. In der Art, wie wir mit uns umgehen, wie wir uns selbst wahrnehmen und uns selbst begegnen – mit Freundlichkeit, Wertschätzung und einem Hauch Humor. Wenn wir lernen, inneren Frieden zu kultivieren, strahlt er nach außen und prägt unsere Begegnungen, Entscheidungen und Handlungen.