Sommerhitze? Dann ist die Mittagsruhe kein Luxus, sondern Selbstfürsorge
Früher habe ich den Sommer geliebt. Heute gibt es Tage, an denen ich ab 30 Grad das Gefühl habe, mein Körper schaltet einfach einen Gang herunter. Die Energie ist weg, der Kreislauf wird weich und der Wunsch, mich hinzulegen, wird immer größer.
Lange dachte ich, ich müsste einfach lernen, besser mit Hitze umzugehen. Heute sehe ich das anders.
Unser Körper ist klug. Er meldet sich, wenn er Unterstützung braucht.
Was Hitze mit unserem Körper macht
An heißen Tagen erweitert der Körper die Blutgefäße, damit überschüssige Wärme abgegeben werden kann. Gleichzeitig verlieren wir durch das Schwitzen nicht nur Wasser, sondern auch Mineralstoffe, vor allem Natrium.
Die Folge können Müdigkeit, Benommenheit, Konzentrationsprobleme oder Kreislaufbeschwerden sein. Viele Menschen trinken dann noch mehr Wasser. Das ist grundsätzlich richtig. Fehlen jedoch Elektrolyte, reicht Wasser allein manchmal nicht aus.
Gerade Menschen mit einem eher niedrigen Blutdruck merken oft, dass sie sich mit etwas mehr Salz oder einem Elektrolytgetränk deutlich wohler fühlen.
Die Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin
Auch die TCM betrachtet den Sommer als eine Zeit mit besonderen Anforderungen.
Der Sommer gehört zum Element Feuer. Yang ist auf seinem Höhepunkt. Wärme und Bewegung bestimmen diese Jahreszeit. Gleichzeitig kann zu viel Hitze die Körpersäfte angreifen.
Sind diese Säfte erschöpft, fühlen wir uns trocken, müde und erschöpft. Manche schlafen schlechter, andere reagieren mit Kreislaufproblemen oder fühlen sich einfach kraftlos.
Die TCM empfiehlt deshalb nicht, den Körper mit eisigen Getränken zu schocken. Viel hilfreicher sind lauwarme Getränke und Lebensmittel, die sanft kühlen und gleichzeitig die Körpersäfte nähren.
Dazu gehören zum Beispiel Gurke, Zucchini, Blattsalate, Mangold, Mungbohnen, Wassermelone, Minze oder frische Kräuter, sofern sie gut vertragen werden.
Warum die Mittagsruhe so sinnvoll ist
In unserer Leistungsgesellschaft gilt Ausruhen oft noch immer als Schwäche.
Dabei machen uns viele südliche Länder seit Jahrhunderten etwas vor.
Wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, wird das Leben ruhiger. Die körperlich anstrengenden Arbeiten finden morgens oder am Abend statt. Dazwischen gönnen sich viele Menschen eine Pause.
Eigentlich ist das keine Faulheit.
Es ist eine intelligente Anpassung an die Natur.
Auch aus daoistischer Sicht ergibt das vollkommen Sinn. Wu Wei bedeutet nicht, nichts zu tun. Es bedeutet, mit den Gegebenheiten zu gehen, statt gegen sie anzukämpfen.
Wenn die Natur in der Mittagshitze langsamer wird, dürfen auch wir langsamer werden.
Ich nenne die Mittagsruhe deshalb gern augenzwinkernd ein Grundrecht.
Und ehrlich gesagt steckt darin mehr Wahrheit, als man zunächst vermutet.
Was tun, wenn der Beruf keine Siesta zulässt?
Natürlich können nicht alle Menschen mittags eine Stunde schlafen.
Dennoch gibt es Möglichkeiten, den Körper zu entlasten.
Ein paar Minuten in einem kühlen Raum verbringen.
Die Unterarme oder Handgelenke mit kaltem Wasser kühlen.
Ein leichtes Mittagessen wählen.
Genügend trinken und an heißen Tagen auch an die Elektrolyte denken.
Bewusst langsamer sprechen und arbeiten, wenn es möglich ist.
Mehrere kleine Pausen statt einer langen einplanen.
Schon zehn Minuten mit geschlossenen Augen und ruhigem Atmen können erstaunlich erholsam sein.
Kleine Sommerhelfer
Viele Menschen profitieren an heißen Tagen von einer etwas höheren Natriumzufuhr. Das kann ein Elektrolytgetränk sein oder auch eine kräftige Gemüsebrühe.
Auch leichte Kleidung aus Naturfasern, Schatten, ein Ventilator oder ein kühlendes Tuch im Nacken können den Kreislauf entlasten.
Wichtig ist vor allem, den eigenen Körper ernst zu nehmen.
Mein persönliches Sommergesetz
Früher hätte ich mich vielleicht geärgert, wenn ich mittags eine Pause brauchte.
Heute sehe ich es anders. Mein Körper sagt mir, was er braucht. Und je besser ich auf ihn höre, desto besser geht es mir.
Vielleicht dürfen wir uns alle daran erinnern, dass Gesundheit nicht bedeutet, immer funktionieren zu müssen.
Manchmal bedeutet sie einfach, zur richtigen Zeit langsamer zu werden.
Denn die Mittagsruhe ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist gelebte Selbstfürsorge.
Oder, um es mit einem Lächeln zu sagen: Die Mittagsruhe ist ein Grundrecht. Besonders im Sommer.

Fünft sanfte Sommerhelfer aus der TCM
Milodao
1. Trinke regelmäßig, aber nicht eiskalt.
Eiskalte Getränke fühlen sich im ersten Moment herrlich an. Aus Sicht der TCM muss der Körper sie jedoch zunächst erwärmen. Das kostet Energie. Lauwarme oder angenehm kühle Getränke unterstützen den Organismus oft besser.
2. Iss leicht und wasserreich.
Der Sommer ist die Zeit für Gurken, Blattsalate, Zucchini, Mangold, frische Kräuter und viele andere saisonale Gemüse. Sie versorgen den Körper mit Flüssigkeit und belasten die Verdauung weniger als schwere Mahlzeiten.
3. Bewahre deine Energie.
Nicht jede Aufgabe muss um die Mittagszeit erledigt werden. Plane körperlich oder geistig anstrengende Tätigkeiten möglichst für den Morgen oder den Abend. Das ist keine Schwäche, sondern kluges Energiemanagement.
4. Unterstütze deinen Kreislauf.
Wenn du an heißen Tagen zu Benommenheit oder niedrigem Blutdruck neigst, können Elektrolyte oder auch eine kräftige Gemüsebrühe sinnvoll sein. Viele Menschen trinken ausreichend Wasser, vergessen dabei aber die Mineralstoffe.
5. Erlaube dir Ruhe.
Die Natur kennt Rhythmen. Mittags steht die Sonne am höchsten und selbst Tiere ziehen sich oft in den Schatten zurück. Warum sollten ausgerechnet wir Menschen glauben, ohne Pause leistungsfähig bleiben zu müssen?
Sommer bedeutet nicht, gegen die Hitze zu kämpfen
Aus daoistischer Sicht geht es nicht darum, den Sommer zu besiegen.
Es geht darum, ihn zu verstehen.
Der Sommer lädt uns ein, etwas langsamer zu werden. Mehr im Schatten zu sitzen. Leichter zu essen. Den Wind auf der Haut zu spüren. Früher aufzustehen und den Abend länger zu genießen.
Denn Gesundheit entsteht oft dort, wo wir aufhören, gegen unseren Körper zu arbeiten.
Und vielleicht gilt deshalb gerade im Sommer: Wer mittags ruht, lebt nicht weniger. Er lebt im Einklang mit der Natur.
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