Die Kunst des Wandels in der TCM und im Qigong
Herbstzeit – Zeit zum Loslassen
Der Herbst ist die Zeit des Loslassens. Die Natur zeigt uns jedes Jahr aufs Neue ganz selbstverständlich , wie Wandlung aussieht . Die Blätter verfärben sich, lösen sich vom Baum, und nichts daran ist traurig. Es ist einfach der Lauf der Dinge.
Auch für mich persönlich ist in diesem Herbst Loslassen das große Thema. Wir geben das Pachtgrundstück auf, das ich zu Coronazeiten gepachtet hatte, um dort im Freien weiter Kurse geben zu dürfen. Fünf Jahre lang haben wir diesen Ort mit Leben gefüllt: Bäume gepflanzt, Früchte geerntet, gemeinsam geübt, gelacht und viele Sonnenuntergänge genossen.
Dieses Stück Erde war für mich mehr als nur ein Platz. Es war ein Ort des Wachstums, der Begegnung und der Verbindung mit der Natur. Und doch spüre ich: Jetzt ist es Zeit, loszulassen.
In meinen Kursen und Workshops höre ich von neun von zehn Teilnehmenden, dass ihnen das Loslassen schwerfällt. Das hätte ich vor zehn Jahren genauso gesagt. Damals klang Loslassen für mich nach Verlust, nach Aufgabe, nach Ende. Heute erkenne ich: Loslassen ist Teil des Wandels und Wandlung ist Leben.
Der Herbst in der TCM – Zeit des Metalls und der Klarheit
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist der Herbst dem Metall-Element zugeordnet. Es steht für Klarheit, Struktur und das Loslassen von Überflüssigem. So wie die Natur sich jetzt zurückzieht und Ballast abwirft, dürfen auch wir innerlich Ordnung schaffen und loslassen, was nicht mehr zu uns gehört – alte Muster, Erwartungen oder Verpflichtungen.
Das Metall-Element ist eng verbunden mit der Lunge und dem Dickdarm – zwei Organe, die das Ein- und Ausatmen, das Aufnehmen und Abgeben verkörpern. Wenn wir nicht loslassen, staut sich Energie. Wenn wir zu sehr festhalten, kann das die Energie des Metalls schwächen und uns traurig oder eng machen.
Im Qigong üben wir genau das: den Wandel zuzulassen. Mit jedem Atemzug nehmen wir Neues auf und geben Altes ab. So entsteht Harmonie zwischen Innen und Außen, Körper und Geist, Mensch und Natur.
Loslassen als Bewegung – nicht als Verlust
Loslassen ist kein passives Geschehen, sondern eine bewusste Bewegung – sanft, aber kraftvoll. Es bedeutet, Vertrauen zu haben: dass das, was gehen darf, seinen Sinn erfüllt hat, und dass Neues entstehen kann.
Die Natur hält sich nicht am Sommer fest. Sie folgt ihrem Rhythmus, ihrem tiefen Wissen um den Wandel. Wenn wir uns darauf einlassen, spüren wir, dass Loslassen nicht Verlust bedeutet, sondern Befreiung.
Loslassen ist die Voraussetzung für Neubeginn. So wie jeder Herbst den Samen für den nächsten Frühling in sich trägt, so trägt auch jedes Loslassen den Keim für etwas Neues.
Loslassen lernen – Schritt für Schritt
Loslassen fällt uns oft schwer, weil es mit Emotionen wie Trauer oder Angst verbunden ist. Doch wir können lernen, die Perspektive zu verändern: weg vom Verlust, hin zur Leichtigkeit.
Diese Fragen können dir helfen:
- Was darf jetzt gehen, damit Platz entsteht für Neues?
- Was halte ich fest, obwohl es mich mehr kostet als nährt?
- Und: Was könnte leichter werden, wenn ich loslasse?
Wenn wir den positiven Aspekt des Loslassens in den Mittelpunkt stellen, wird es zu einem Akt der Selbstfürsorge.
Loslassen bedeutet dann nicht, etwas aufzugeben, sondern uns selbst Raum zu schenken.
Fazit: Der Atem des Lebens
In der TCM und im Qigong ist der Atem Symbol für das Leben selbst: ein ständiges Kommen und Gehen, ein rhythmischer Wechsel von Aufnehmen und Abgeben.
Loslassen ist kein Ende. Es ist ein Atemzug des Lebens.
So wie die Natur sich wandelt, dürfen auch wir im Wandel wachsen.
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