Schlagwort: Entspannung

  • Den Stürmen des Lebens trotzen und Leichtigkeit im Loslassen finden

    Manchmal schickt uns das Leben genau das Wetter, das wir brauchen, auch wenn es ganz anders ist, als wir es uns vorgestellt hatten.
    Als ich vor Kurzem eine Woche Bildungsurlaub auf Borkum leitete, war alles sorgfältig geplant: Qigong am Strand, Atmung im Rhythmus der Wellen, die Kraft der Weite spüren. Doch kaum waren wir angekommen, fegte ein Sturm über die Insel. Orkanböen, peitschender Regen, aufgewühltes Meer.

    Qigong im Freien? Kaum denkbar. Statt sanfter Bewegungen in der Meeresbrise gab es drinnen eng zusammenrückende Menschen, tropfende Regenjacken und das Heulen des Windes in den Fenstern.

    Mein Widerstand

    Ich spürte, wie sich in mir Widerstand regte. Ich hatte ein Bild von Ruhe, Leichtigkeit und Bewegung in der Natur im Kopf und nun passte nichts davon. Ich wollte den Wind vertreiben, die Wolken auflösen, das Programm „retten“. Doch der Sturm ließ sich nicht beeindrucken.

    Irgendwann merkte ich: Das, was da draußen tobte, tobte auch in mir. Und genau das wollte gesehen werden.

    Loslassen heißt:  mich selbst nicht mehr festhalten

    Im Qigong üben wir, körperlich, geistig und emotional loszulassen. Es klingt leicht, doch in Momenten, in denen wir etwas anders haben wollen, zeigt sich, wie tief das Thema wirklich geht. Ich begann, meinen Plan, meine Vorstellungen, ja, auch meinen Perfektionismus loszulassen. Stattdessen versuchte ich, mich dem Geschehen anzuvertrauen: dem Wind, der Unruhe, dem Unplanbaren.

    Wir übten drinnen, improvisierten, lachten über den Lärm draußen. Ich spürte, wie mit jedem Tag mehr Weichheit in mir entstand. Kein heroisches „Ich trotze dem Sturm“, sondern eher ein inneres „Ich tanze mit dem Sturm“.

    Geschehen lassen – der natürliche Fluss

    In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist alles in Bewegung. Nichts bleibt, wie es ist. Wind ist Veränderung. Er ist manchmal mild, manchmal heftig, aber immer eine Einladung, flexibel zu bleiben. Ich begann, diesen Wind nicht mehr als Gegner zu sehen, sondern als Lehrer. Er erinnerte mich daran, dass ich nicht alles kontrollieren kann und muss.

    Loslassen heißt nicht, etwas wegzugeben, sondern es fließen zu lassen. Und manchmal bedeutet das einfach: sich hinsetzen, tief atmen und das, was gerade passiert geschehen lassen.

    Das Licht danach

    Erst nach der Woche, auf meiner Rückreise, riss der Himmel auf. Die Sonne brach durch, die Landschaft, durch die ich fuhr, zeigte ihre liebliche Seite. Das Licht war wieder da, sowohl draußen als auch in mir. Nicht, weil der Sturm vorbei war, sondern weil ich aufgehört hatte, gegen ihn anzukämpfen. Und auf einmal fühlte sich mein Herz so voll an, als wollte es überlaufen.

    Fazit: Mit dem Wind gehen

    Diese Woche auf Borkum hat mich erinnert, dass Leichtigkeit nicht entsteht, wenn alles ruhig ist, sondern wenn wir bereit sind, uns im Unruhigen zu entspannen. Loslassen, geschehen lassen, Leichtigkeit finden. Das ist kein Ziel, sondern eine Haltung.

    Vielleicht ist das die Essenz von Qigong und vom Leben selbst: Nicht starr zu werden, wenn der Wind weht, sondern mitzuschwingen. Nicht alles festhalten zu wollen, sondern dem Wandel zu vertrauen. Denn das Licht ist immer da, manchmal nur verborgen hinter den Wolken.

    Wie Qigong uns dabei unterstützt

    Qigong lehrt uns, in Bewegung und in Ruhe gleichermaßen präsent zu bleiben. Mit jedem Atemzug, mit jeder sanften Bewegung erinnern wir unseren Körper daran, dass Leichtigkeit nicht von außen kommt, sondern aus dem freien Fluss des Qi entsteht. Wenn wir üben, weich zu bleiben, wie etwa die Äste einer Weide, lernen wir, mit den Stürmen des Lebens zu wachsen, statt ihnen zu widerstehen.

    So wird Loslassen zu einer Quelle von Kraft. Und vielleicht ist genau das die wahre Leichtigkeit: nicht die Abwesenheit des Windes, sondern die Fähigkeit, mit ihm zu tanzen.

  • Die 8 Bagua als Helfer im bewussten Leben

    Wir alle sehnen uns nach Orientierung, nach einem inneren Kompass, der uns durch die Herausforderungen des Lebens leitet. In der daoistischen Philosophie gibt es ein uraltes Werkzeug, das genau dabei helfen kann: die 8 Bagua. Sie sind mehr als nur ein Bestandteil des Feng Shui oder hübsche Symbole auf einem Kompass – sie sind Ausdruck von Lebensprinzipien, innerer Dynamik und universeller Ordnung.

    Die Bagua stammen aus dem I Ging (Buch der Wandlungen) und symbolisieren grundlegende Kräfte des Lebens. Sie können uns dabei unterstützen, die Welt und unser eigenes Leben besser zu verstehen – und bewusster zu gestalten.

    Was sind die Bagua?

    Die Bagua (auch: Ba Gua) sind acht archetypische Wandlungsbilder oder Lebensaspekte. Sie setzen sich jeweils aus drei durchgezogenen oder unterbrochenen Linien (Trigrammen) zusammen. Diese Linien stehen für Yang (durchgezogen) und Yin (unterbrochen) – die beiden Grundprinzipien der daoistischen Weltanschauung. Aus ihrer Kombination entstehen acht Trigramme, die jeweils für einen bestimmten Lebensbereich, eine Naturkraft und einen inneren Zustand stehen.

    In ihrer Gesamtheit bilden sie eine Art Landkarte des Lebens – innerlich wie äußerlich. Sie laden uns ein, in Balance zu kommen und bewusst mit den natürlichen Zyklen und Qualitäten des Lebens umzugehen.

    Die 8 Bagua im Überblick

    Hier eine kurze charakterisierende Beschreibung jedes Trigramms – verbunden mit einer Einladung zur Reflexion und Anwendung im Alltag:

     Qian – Der Himmel

    Bedeutung: Schöpferkraft, Führung, Durchsetzung, Vaterprinzip
    Element: Himmel
    Qualität: Yang pur – aktiv, initiierend, kraftvoll
    Impuls: Wo kann ich Verantwortung übernehmen und bewusst gestalten? Wo lebe ich meine schöpferische Kraft?

     Dui – Der See

    Bedeutung: Freude, Kommunikation, Offenheit, jugendliche Leichtigkeit
    Element: See
    Qualität: Heiter, inspirierend, verbindend
    Impuls: Wo darf mehr Leichtigkeit in mein Leben kommen? Wo kann ich mehr Freude zulassen?

     Li – Das Feuer

    Bedeutung: Klarheit, Erkenntnis, Leidenschaft, Vision
    Element: Feuer
    Qualität: Leuchtend, durchdringend, bewegend
    Impuls: Was entfacht mein inneres Feuer? Wo wünsche ich mir mehr Klarheit?

     Zhen – Der Donner

    Bedeutung: Neubeginn, Veränderung, Impuls, Aufbruch
    Element: Donner
    Qualität: Plötzlich, kraftvoll, erschütternd
    Impuls: Wo bin ich zu sehr in der Komfortzone? Wo wartet ein Neuanfang auf mich?

     Xun – Der Wind

    Bedeutung: Sanfte Durchdringung, Einfluss, Weisheit, Flexibilität
    Element: Wind
    Qualität: Still und stetig wirkend, tief
    Impuls: Wo kann ich sanfter, aber beharrlich wirken? Wo wünsche ich mir mehr Tiefe?

     Kan – Das Wasser

    Bedeutung: Tiefe Gefühle, Intuition, Krise, Wandlung
    Element: Wasser
    Qualität: Fließend, geheimnisvoll, durchdringend
    Impuls: Welche Ängste oder Unsicherheiten darf ich anschauen? Was will durchflossen werden?

     Gen – Der Berg

    Bedeutung: Ruhe, Rückzug, Kontemplation, Grenze
    Element: Berg
    Qualität: Stabil, ruhig, bewahrend
    Impuls: Wo brauche ich mehr Rückzug und Klarheit? Wo darf ich eine Grenze setzen?

     Kun – Die Erde

    Bedeutung: Hingabe, Fürsorge, Empfang, Mutterprinzip
    Element: Erde
    Qualität: Yin pur – nährend, empfangend, tragend
    Impuls: Wo darf ich mich mehr hingeben? Was braucht Fürsorge – in mir oder im Außen?

    Die Bagua im Alltag leben

    Die Bagua sind keine abstrakten Konzepte, sondern kraftvolle Spiegel des Lebens. Du kannst sie ganz praktisch nutzen:

    Reflexion: Spüre regelmäßig in dich hinein. Welcher Lebensaspekt ruft gerade nach Aufmerksamkeit? Nutze die Bagua als Spiegel für deine innere Verfassung.

    Meditation: Nimm dir jeden Tag ein Trigramm und erforsche, wie es sich in deinem Leben zeigt. Was will gelebt werden? Was braucht Balance?

    Ein Weg zu mehr innerer Balance

    Die acht Bagua erinnern uns daran, dass das Leben aus unterschiedlichen Qualitäten besteht und dass jede davon ihren Platz hat. Es geht nicht darum, immer in Harmonie zu sein, sondern im Wandel bewusst zu leben. So, wie sich Tag und Nacht, Sonne und Regen, Aktivität und Ruhe abwechseln, so bewegen wir uns auch innerlich durch verschiedene Phasen und Themen.

    Die Bagua können dabei zu einem liebevollen Wegweiser werden und uns lehren, bewusster, weiser und verbundener mit dem großen Ganzen zu leben.

    Für die Kurse im Energieraum habe ich zu jedem der Bagua Meditationen geschrieben, die ich nach und nach in die Kurse und Workshops einbinde. Damit möchte ich dabei unterstützen, einen Zugang zu diesem alten Wissen der Daoisten zu finden.

  • Akzeptanz

    Wir alle gehen mit einer gewissen Erwartungshaltung durchs Leben, wie es für uns zu laufen hat. Diese Erwartungshaltung wird jedoch zwangsläufig von der Realität nicht immer erfüllt. Es gibt Dinge, Verhalten, Menschen, Schicksalsschläge, die uns nicht gefallen. Unsere spontane Reaktion ist meist Abwehr: „Ich will das nicht!“ „Das ist doch nicht richtig!“, „Das darf so nicht sein!“ Häufig können wir jedoch diese Situationen, das Verhalten anderer Menschen oder bestimmte Zustände nicht ändern. Wir streiten also in diesen Momenten mit der Realität. Zurzeit erlebe ich viele unzufriedene Menschen. Der Frühling war verregnet und immer noch ist kein schönes und trockenes Wetter in Sicht. Wetter – Ein Fakt, auf den wir definitiv keinen Einfluss haben.

    Kraftraubender Kampf

    Streit kostet Kraft und tut uns nicht gut. Und wenn es sich um unabänderliche Dinge handelt, vergeuden wir unsere Kraft in einem Kampf, den wir nicht gewinnen können.

    Dabei verkrampfen und verspannen wir und fügen uns so weitere negative Empfindungen zu. Wir sind damit beschäftigt, in den Widerstand und die Abwehr zu gehen, anstatt zu lernen, wie wir mit der Krise umgehen können.

    Akzeptanz bedeutet, unveränderbare Zustände so anzunehmen, wie sie sind, statt gegen sie anzukämpfen.

    Dabei sollte Akzeptanz keineswegs mit Passivität verwechselt werden, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Statt in einem aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen anzukämpfen, nehmen wir mit bewusster Akzeptanz unser Schicksal aktiv in die Hand. Akzeptanz ist eine aktive Handlung, mit der wir uns bewusst von fruchtlosem Widerstand lösen und Themen bewusst loslassen, um Kraft für wirksame Handlungen zu bewahren.

    Bewusste Akzeptanz ist entspannend und heilsam für Körper und Seele und sorgt für inneren Frieden. Sie hilft dabei, dem Fluss des Lebens zu vertrauen.

    Gefühle annehmen

    Das Akzeptieren einer Situation heißt auch, dass wir alle Gefühle, die aufgrund der Situation in uns aufsteigen, annehmen. Mit den Gefühlen ist es genau so, wie mit aufmerksamkeitsbedürftigen Kindern! Je mehr wir sie ignorieren, umso quengeliger und präsenter werden sie. Drängen wir sie weg, tut es ihnen nicht gut und sie werden immer lauter und lauter, um unsere Aufmerksamkeit zu erlangen. Genauso verhält es sich mit den Gefühlen. Verdrängte Gefühle können uns beherrschen und überwältigen

    Das Leben hält immer wieder unvorhersehbare Ereignisse für uns bereit, die uns nicht gefallen. Eine akzeptierende Grundhaltung hilft dabei, mit dem Unabänderlichen umzugehen und macht so das Leben leichter.

    Die Akzeptanz bewahrt uns nicht vor den Tiefschlägen des Lebens, aber sie lässt uns leichter damit zurechtkommen.

    Körperlicher Bezug

    In der TCM ist das Thema Akzeptanz im Funktionskreis Lunge/Dickdarm angesiedelt. Die Lunge steht auf der seelischen Ebene für das vorbehaltlose Ja zum Leben und damit zu allem im Leben, ob es uns gefällt oder nicht. Der Dickdarm hingegen steht für das mutige und deutliche Nein. Beide Organe stehen für das Loslassen. Die Lunge für das Loslassen von Zweifeln und Kämpfen, der Dickdarm für das Loslassen von allem, was nicht guttut.

    Die Atmung spielt somit eine besonders große Rolle, wenn wir uns mit dem Thema Akzeptanz auseinandersetzen. Oft sind auch Symptome der Lunge und des Dickdarms zu beobachten, wenn man sich besonders schwertut, zu akzeptieren.

    Symptome der LungeSymptome des Dickdarms
    InfektanfälligkeitVerdauungsprobleme
    MüdigkeitNase/Nebenhöhlen verstopft
    AntriebslosigkeitNacken- und Schulterprobleme
    Zukunftsangst 
    Depressive Verstimmungen 
    Verspannungen in Schulter und Nacken 

    Eine akzeptierende Grundhaltung ist erlernbar. Meditationen können dabei unterstützen, ebenso wie regelmäßige Entspannungsübungen und bewusstes Atmen.