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  • Die richtige Welle

    Die richtige Welle

    Früher war ich Wellenreiten.
    Nicht besonders spektakulär und sicher nicht so, dass ich mich heute als Surferin bezeichnen würde. Aber ich erinnere mich noch sehr genau an dieses Gefühl.

    Bevor es überhaupt ins Wasser ging, gehörte die Vorbereitung dazu. Das Brett waxen, damit die Füße Halt finden. Die Leash befestigen, damit das Brett auch dann bei mir bleibt, wenn ich falle. Schauen, wie das Meer heute aussieht. Wo die Wellen brechen. Wo die Strömung läuft.

    Und dann: hinauspaddeln. Gegen die Wellen, durch das Wasser, manchmal mühsam, manchmal mit ordentlich Kraftaufwand. Bis man irgendwann hinter dem Wellenkamm ist.

    Und dann passiert erst einmal: nichts. Man sitzt auf dem Brett und wartet. Man schaut aufs Meer. Beobachtet die Bewegung des Wassers. Sieht Wellen kommen, die vielversprechend aussehen und dann doch in sich zusammenfallen. Andere ziehen vorbei, weil man zu spät reagiert. Manchmal paddelt man los und merkt schon nach wenigen Metern: Das wird nichts.

    Und irgendwann beginnt man zu lernen. Man sieht die Welle schon, wenn sie noch ein gutes Stück entfernt ist. Diese kleine Veränderung in der Wasseroberfläche. Man spürt, dass da etwas kommt.

    Noch ist es nicht der Moment. Also wartet man.

    Dann dreht man das Brett, beginnt zu paddeln und muss genau den richtigen Zeitpunkt erwischen. Nicht zu früh. Nicht zu spät.

    Und wenn alles zusammenkommt, geschieht etwas Wunderbares. Plötzlich trägt die Welle.

    Für einen kurzen Moment braucht es kaum Kraft. Etwas viel Größeres übernimmt die Bewegung. Das Wasser hebt das Brett an, nimmt dich mit und du gleitest.

    Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, an das ich mich bis heute erinnere.

    Nicht jede Welle ist meine Welle

    Damals wollte ich natürlich möglichst jede erwischen. Heute weiß ich, dass das auch im Leben selten funktioniert.

    Nicht jede Möglichkeit ist die richtige Möglichkeit. Nicht jede Idee muss sofort umgesetzt werden. Nicht jede Tür, die sich öffnet, muss ich durchschreiten.

    Manchmal ist eine Welle einfach noch nicht meine.

    Das Dao lehrt uns nicht, passiv auf das Leben zu warten. Für mich bedeutet es vielmehr, aufmerksam zu werden für den richtigen Moment.

    Zu beobachten. Zu spüren. Und unterscheiden zu lernen zwischen dem Impuls, jetzt unbedingt etwas tun zu müssen, und diesem stillen inneren Wissen: Jetzt.

    Wu Wei bedeutet nicht Nichtstun

    Das daoistische Prinzip des Wu Wei wird manchmal mit Nichtstun übersetzt. Dabei beschreibt es etwas viel Feineres. Handeln, ohne gegen den natürlichen Lauf der Dinge anzukämpfen.

    Beim Wellenreiten wäre es ziemlich sinnlos, mit aller Kraft eine Welle erzeugen zu wollen.

    Ich kann mein Brett vorbereiten. Ich kann es waxen. Ich kann die Leash befestigen. Ich kann paddeln. Ich kann lernen. Ich kann meine Balance üben. Ich kann hinausfahren und aufmerksam sein.

    Aber die Welle selbst kommt aus einer Bewegung, die größer ist als ich. Wenn sie kommt, braucht es allerdings meine Bereitschaft. Dann muss ich paddeln. Dann muss ich mich aufrichten. Dann muss ich mich trauen.

    Genau darin liegt die Kunst: nicht ständig Kraft einzusetzen, sondern sie dort einzusetzen, wo sie etwas bewirken kann.

    Und manchmal fällt man einfach runter

    Natürlich gibt es noch die andere Seite.

    Man erwischt eine Welle perfekt, steht auf, fühlt sich für ungefähr drei Sekunden wie die Königin des Ozeans und liegt im nächsten Moment im Wasser. Man wird durchgespült, weiß kurz nicht mehr, wo oben und unten ist, taucht wieder auf und spürt den Zug der Leash am Fuß.

    Das Brett ist noch da. Nicht unbedingt genau dort, wo man es gerne hätte. Aber verbunden.

    Auch das mag ich rückblickend als Bild. Sich auf etwas einzulassen heißt nicht, auf jede Sicherheit zu verzichten. Man darf sich vorbereiten. Man darf wissen, was einen hält. Man darf Verbindungen haben, auf die man sich verlassen kann, wenn es einen einmal ordentlich durchschüttelt. Auch das widerspricht dem Vertrauen nicht. Im Gegenteil.

    Vielleicht macht gerade diese Sicherheit es manchmal erst möglich, mutig in die Welle hineinzugehen.

    Nicht jede Welle trägt bis zum Strand

    Nicht jede Entscheidung führt dorthin, wo wir es uns vorgestellt haben. Manches geht schief. Manches tut weh. Manchmal brauchen wir einen Moment, um wieder Luft zu bekommen.

    Und dann?

    Paddeln wir wieder hinaus.

    Dranbleiben ist etwas anderes als Festhalten

    Vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen, die ich vom Meer mitgenommen habe. Dranbleiben bedeutet nicht, dieselbe Welle immer wieder erzwingen zu wollen. Die ist längst vorbei.

    Dranbleiben heißt, wieder hinauszupaddeln. Neu zu schauen. Neu zu spüren. Neu zu entscheiden.

    Das ist ein Unterschied, den ich heute sehr wichtig finde. Wir halten manchmal an Vorstellungen fest, weil wir glauben, das sei Ausdauer. Aber das Leben bewegt sich längst weiter.

    Das Dao bleibt nicht stehen.

    Und vielleicht besteht Beharrlichkeit deshalb nicht darin, einen bestimmten Ausgang zu erzwingen, sondern darin, dem eigenen Weg treu zu bleiben und immer wieder bereit zu sein für das, was sich zeigt.

    Die perfekte Welle

    Ob es sie überhaupt gibt? Wahrscheinlich nicht. Aber es gibt diese Momente, in denen vieles zusammenpasst. Die Vorbereitung. Die Aufmerksamkeit. Der Mut. Der richtige Augenblick.

    Und etwas, das wir nicht machen können. Dann fühlt sich Leben plötzlich leicht an. Nicht, weil wir nichts dafür getan hätten. Sondern weil unser eigenes Tun und die Bewegung des Lebens für einen Moment in dieselbe Richtung gehen.

    Vielleicht ist das für mich inzwischen eine der schönsten Beschreibungen des Dao.

    Und heute?

    Mein Surfbrett hängt heute übrigens in meinem Büro.

    Meistens jedenfalls.

    Denn ganz manchmal darf es noch mit ans Meer. Dann paddle ich hinaus, sitze auf meinem Brett und schaue wieder auf das Wasser. Ich warte, beobachte und versuche noch immer zu erkennen, welche Welle meine sein könnte.

    Und ja, manchmal trägt sie mich tatsächlich noch. Heute vielleicht nicht mehr unbedingt elegant im Stehen. Manchmal liege ich einfach auf meinem Brett, lasse mich von der Welle mitnehmen und rausche mit ihr bis an den Strand.

    Und wisst ihr was? Das fühlt sich immer noch ziemlich großartig an.

    Vielleicht hat sich darin über die Jahre sogar etwas verändert. Früher wollte ich die Welle unbedingt stehen. Heute darf sie mich auch einfach tragen.

    Hinauspaddeln. Warten können. Die Welle erkennen. Im richtigen Moment lospaddeln. Sich tragen lassen. Runterfallen. Wieder auftauchen. Und wieder hinauspaddeln.

    Vielleicht ist das für mich eine der schönsten Beschreibungen des Dao. Nicht jede Welle erwischen zu müssen. Aber bereit zu sein, wenn die eigene kommt.

  • Grenzen ziehen, ohne sich abzugrenzen

    Grenzen ziehen, ohne sich abzugrenzen

    Wie Qigong und Achtsame Kommunikation uns zeigen, dass Nähe und Klarheit wunderbar zusammenpassen.

    Grenzen klingen oft nach Mauern, Schlussstrich oder Rückzug ins Schneckenhaus. In Wahrheit sind sie etwas ganz Natürliches. Die Neurowissenschaft spricht inzwischen davon, dass Grenzen vor allem ein Mechanismus der Selbstregulation sind. Unser Nervensystem prüft stetig, ob etwas stimmig ist und welche Form von Kontakt uns guttut. Grenzen trennen dabei nicht zwingend. Sie sorgen im besten Fall dafür, dass wir präsent, weich und ansprechbar bleiben.

    Qigong und Achtsame Kommunikation zeigen genau diesen Weg. Beide Traditionen lehren, dass Kontakt und Klarheit ein wunderbares Paar sind. Wer in sich ruht, kann offener auf andere zugehen. Und wer sich gut abgrenzt, muss nicht hart werden. Das ist eine gute Nachricht für alle, die befürchten, dass Grenzen automatisch als Ablehnung und Härte verstanden werden.

    Grenzen als Sensorfeld des Nervensystems

    Aus neurobiologischer Sicht arbeitet unser Körper wie ein hochsensibles Radar. Er spürt, was uns guttut und was zu viel ist. Wenn wir diesen inneren Signalen folgen, bleibt das autonome Nervensystem in Balance. Menschen mit einem regulierten Nervensystem können Nähe besser halten und echte Verbindung erleben.

    Das bedeutet: Eine Grenze ist kein Stoppschild. Sie ist eher eine Art Wellenbrecher. Sie hält den inneren Raum stabil und sorgt dafür, dass wir präsent bleiben, statt zu überfluten oder uns zu verlieren. So entsteht Kontakt auf Augenhöhe.

    Neurowissenschaftlich betrachtet ist spannend, dass das Setzen von Grenzen nicht nur eine Persönlichkeitseigenschaft ist. Es ist ein trainierbarer Prozess. Unser Gehirn baut durch Wiederholung neue Verknüpfungen auf. Das nennen Neurobiologen Neuroplastizität. Jedes klare Nein, das wir freundlich formulieren, stärkt die Bahnen für Selbstregulation. Jedes Mal, wenn wir innehalten und spüren, ob etwas zu uns passt, üben wir die Fähigkeit, stimmige Entscheidungen zu treffen. Grenzen setzen ist also kein Talent, das man hat oder nicht hat. Es ist vielmehr wie ein Muskel, der mit sanfter Übung wächst und uns Schritt für Schritt sicherer in der Kommunikation mit uns selbst und anderen macht.

    Qigong betrachtet Grenzen als Energiefeld

    Im Qigong ist unser Schutz ein lebendiges Feld aus Qi (Energie). Es umgibt uns wie eine unsichtbare, weiche und elastische Schicht. Sie lässt Verbindung zu, schützt uns aber gleichzeitig im Kern.

    Ein gutes Qi-Feld ist flexibel und durchlässig. Wenn wir unser Qi gut pflegen und die innere Stabilität trainieren, entsteht automatisch ein Zustand entspannter Wachheit. Mithilfe dieser achtsamen Präsenz gelingt es uns besser, unseren eigenen Raum zu schützen. Der andere darf da sein. Wir auch.

    Wer Qigong praktiziert, lernt nicht nur den eigenen Raum bewusst zu spüren, sondern gleichzeitig die Räume der anderen zu respektieren. So werden Begegnungen möglich, die keine Sieger benötigen, sondern auf Augenhöhe stattfinden können.

    Grenzen mit Herz und Klarheit ausdrücken

    In der Achtsamen Kommunikation entsteht eine Grenze nicht erst, wenn wir etwas sagen. Sie beginnt viel früher und ist ein innerer Prozess, der überraschend nüchtern und alltagstauglich ist. Vier Schritte helfen dabei, präsent zu bleiben und gleichzeitig für sich zu sorgen. Am einfachsten lassen sich die Schritte anhand eines Beispiels erklären, das wir sicher alle kennen: „Jemand übt Kritik an uns, die wir als unberechtigt empfinden.“

    Schritt 1: Ich nehme den Moment wahr, in dem etwas in mir reagiert. Vielleicht zieht sich etwas zusammen, vielleicht entsteht ein kurzer Stich oder ein innerer Widerstand. Der Körper zeigt mir früher als der Verstand, ob mir etwas missfällt.

    Schritt 2: Bevor ich jetzt impulsiv reagiere, atme ich durch und unterziehe die Botschaft einem Realitätscheck. Ich frage mich: Ist das wahr? Hat der andere Recht? Habe ich einen Fehler gemacht? Oder meint der andere vielleicht in diesem Moment gar nicht mich, sondern überträgt etwas aus seiner eigenen Gefühlswelt auf mich?

    Dieser Schritt soll nicht der Entschuldigung oder Rechtfertigung des Geäußerten dienen, sondern ist ein Akt der Selbstreflektion und des Schutzes.

    Schritt 3: Wenn ich zu dem Schluss komme, dass die Kritik keine objektive Wahrheit wiedergibt, ziehe ich eine unsichtbare Grenze. Wenn ich merke, dass etwas nicht meiner Realität entspricht, lasse ich es draußen.

    Schritt 4: Erst mit Schritt 4 retten wir die Verbindung. Hier reagiere ich bewusst. Ich spreche erst dann, wenn ich klar bin. Und ich sende eine Botschaft aus, die den anderen nicht zurechtweist, aber klar zeigt, warum ich es anders sehe und mir einen anderen Umgang wünsche.  In dem oben genannten Kritikbeispiel kann das so etwas sein wie: „Das ist eine interessante Perspektive, ich sehe es so…“ – „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass…“  

    So wird Abgrenzung zu einem ruhigen inneren Vorgang, der die Verbindung nicht stört. Im Gegenteil. Er schafft Verlässlichkeit, weil wir nicht impulsiv reagieren, sondern aus Klarheit.

    Weiche Stabilität als gemeinsamer Nenner

    Hört man genauer hin, erzählen Neurowissenschaft, Qigong und Achtsame Kommunikation dieselbe Geschichte. Es geht um eine innere Verfassung, die man als weiche Stabilität beschreiben könnte. Nicht hart aber auch nicht weichgespült, sondern sanft und klar zugleich.

    Wenn wir unsere Grenzen kennen, können wir Verbindungen zulassen, ohne uns zu verlieren. Wenn wir in unserer Mitte stark sind, müssen wir uns nicht verteidigen. Und wenn wir uns ausdrücken können, ohne andere zu beschuldigen, entsteht Klarheit und Konsens.

    Qigong Übung für den Alltag

    Zwei kleine Übungen, um Abgrenzung weich, lebendig und wahrhaftig zu erleben.

    Die Lemniskate

    Die liegende Acht als weiches Mittel der Abgrenzung.

    Diese Übung verbindet Qigong, Achtsamkeit und das Flussprinzip. Die Lemniskate hilft dir, dich abzugrenzen, ohne Verbindungen zu unterbrechen. Sie lässt das Qi in einem kontinuierlichen Fluss kreisen und schenkt gleichzeitig einen Moment zum Prüfen: Was entspricht meiner inneren Wahrheit und was nicht?

    Schritt 1

    Stelle dich aufrecht hin. Die Hände ruhen vor dir, leicht angehoben, als würdest du etwas Unsichtbares halten.

    Schritt 2

    Beginne nun, mit beiden Händen eine liegende Acht in die Luft zu zeichnen. Ganz weich, ganz rund. Die Bewegung kommt aus dem Zentrum, nicht aus den Schultern.

    Schritt 3

    Lass die Acht größer oder kleiner werden, bis sie sich natürlich anfühlt. Spüre, wie dein Qi gleichmäßig fließt, ohne anzuhalten oder auszubrechen.

    Schritt 4

    Richte deine Aufmerksamkeit auf den Schnittpunkt der Lemniskate, die Mitte. Jedes Mal, wenn deine Hände dort vorbeikommen, stell dir eine dieser Fragen:

    Passt das zu mir?
    Ist das stimmig?
    Entspricht das meiner inneren Wahrheit?

    Der Schnittpunkt ist deine innere Klärungsstelle, der Moment, in dem du spürst, ob etwas für dich richtig ist oder nicht.

    Schritt 5

    Lass die Acht noch ein paar Atemzüge weiterfließen. Wenn du aufhörst, spüre nach. Du wirst oft bemerken, dass der Körper ganz von selbst klarer weiß, was zu ihm gehört und was nicht.

    Diese Übung ermöglicht Abgrenzung ohne Trennung, Klarheit ohne Härte und Verbindung ohne Überforderung.

    Schlussgedanke

    Grenzen sind wie die Ufer eines Flusses. Sie halten das Wasser nicht gefangen, sondern geben ihm eine Form, in der es frei fließen kann. Ohne Ufer gäbe es nur Sumpf. Mit ihnen entsteht Bewegung, Richtung und Lebendigkeit.

    Wenn wir unsere inneren Ufer pflegen, entsteht ein Raum aus Begegnung, Klarheit und Verbundenheit. Qigong und Achtsame Kommunikation helfen uns genau dabei. Sie erinnern uns daran, dass gesunde Grenzen nicht das Ende von Kontakt sind, sondern die Voraussetzung für ein gutes Miteinander. So wächst in uns ein natürlicher Raum, in dem Nähe und Freiheit gleichzeitig möglich sind.

  • Die 8 Bagua als Helfer im bewussten Leben

    Wir alle sehnen uns nach Orientierung, nach einem inneren Kompass, der uns durch die Herausforderungen des Lebens leitet. In der daoistischen Philosophie gibt es ein uraltes Werkzeug, das genau dabei helfen kann: die 8 Bagua. Sie sind mehr als nur ein Bestandteil des Feng Shui oder hübsche Symbole auf einem Kompass – sie sind Ausdruck von Lebensprinzipien, innerer Dynamik und universeller Ordnung.

    Die Bagua stammen aus dem I Ging (Buch der Wandlungen) und symbolisieren grundlegende Kräfte des Lebens. Sie können uns dabei unterstützen, die Welt und unser eigenes Leben besser zu verstehen – und bewusster zu gestalten.

    Was sind die Bagua?

    Die Bagua (auch: Ba Gua) sind acht archetypische Wandlungsbilder oder Lebensaspekte. Sie setzen sich jeweils aus drei durchgezogenen oder unterbrochenen Linien (Trigrammen) zusammen. Diese Linien stehen für Yang (durchgezogen) und Yin (unterbrochen) – die beiden Grundprinzipien der daoistischen Weltanschauung. Aus ihrer Kombination entstehen acht Trigramme, die jeweils für einen bestimmten Lebensbereich, eine Naturkraft und einen inneren Zustand stehen.

    In ihrer Gesamtheit bilden sie eine Art Landkarte des Lebens – innerlich wie äußerlich. Sie laden uns ein, in Balance zu kommen und bewusst mit den natürlichen Zyklen und Qualitäten des Lebens umzugehen.

    Die 8 Bagua im Überblick

    Hier eine kurze charakterisierende Beschreibung jedes Trigramms – verbunden mit einer Einladung zur Reflexion und Anwendung im Alltag:

    ☰ Qian – Der Himmel

    Bedeutung: Schöpferkraft, Führung, Durchsetzung, Vaterprinzip
    Element: Himmel
    Qualität: Yang pur – aktiv, initiierend, kraftvoll
    Impuls: Wo kann ich Verantwortung übernehmen und bewusst gestalten? Wo lebe ich meine schöpferische Kraft?

    ☱ Dui – Der See

    Bedeutung: Freude, Kommunikation, Offenheit, jugendliche Leichtigkeit
    Element: See
    Qualität: Heiter, inspirierend, verbindend
    Impuls: Wo darf mehr Leichtigkeit in mein Leben kommen? Wo kann ich mehr Freude zulassen?

    ☲ Li – Das Feuer

    Bedeutung: Klarheit, Erkenntnis, Leidenschaft, Vision
    Element: Feuer
    Qualität: Leuchtend, durchdringend, bewegend
    Impuls: Was entfacht mein inneres Feuer? Wo wünsche ich mir mehr Klarheit?

    ☳ Zhen – Der Donner

    Bedeutung: Neubeginn, Veränderung, Impuls, Aufbruch
    Element: Donner
    Qualität: Plötzlich, kraftvoll, erschütternd
    Impuls: Wo bin ich zu sehr in der Komfortzone? Wo wartet ein Neuanfang auf mich?

    ☴ Xun – Der Wind

    Bedeutung: Sanfte Durchdringung, Einfluss, Weisheit, Flexibilität
    Element: Wind
    Qualität: Still und stetig wirkend, tief
    Impuls: Wo kann ich sanfter, aber beharrlich wirken? Wo wünsche ich mir mehr Tiefe?

    ☵ Kan – Das Wasser

    Bedeutung: Tiefe Gefühle, Intuition, Krise, Wandlung
    Element: Wasser
    Qualität: Fließend, geheimnisvoll, durchdringend
    Impuls: Welche Ängste oder Unsicherheiten darf ich anschauen? Was will durchflossen werden?

    ☶ Gen – Der Berg

    Bedeutung: Ruhe, Rückzug, Kontemplation, Grenze
    Element: Berg
    Qualität: Stabil, ruhig, bewahrend
    Impuls: Wo brauche ich mehr Rückzug und Klarheit? Wo darf ich eine Grenze setzen?

    ☷ Kun – Die Erde

    Bedeutung: Hingabe, Fürsorge, Empfang, Mutterprinzip
    Element: Erde
    Qualität: Yin pur – nährend, empfangend, tragend
    Impuls: Wo darf ich mich mehr hingeben? Was braucht Fürsorge – in mir oder im Außen?

    Die Bagua im Alltag leben

    Die Bagua sind keine abstrakten Konzepte, sondern kraftvolle Spiegel des Lebens. Du kannst sie ganz praktisch nutzen:

    Reflexion: Spüre regelmäßig in dich hinein. Welcher Lebensaspekt ruft gerade nach Aufmerksamkeit? Nutze die Bagua als Spiegel für deine innere Verfassung.

    Meditation: Nimm dir jeden Tag ein Trigramm und erforsche, wie es sich in deinem Leben zeigt. Was will gelebt werden? Was braucht Balance?

    Ein Weg zu mehr innerer Balance

    Die acht Bagua erinnern uns daran, dass das Leben aus unterschiedlichen Qualitäten besteht und dass jede davon ihren Platz hat. Es geht nicht darum, immer in Harmonie zu sein, sondern im Wandel bewusst zu leben. So, wie sich Tag und Nacht, Sonne und Regen, Aktivität und Ruhe abwechseln, so bewegen wir uns auch innerlich durch verschiedene Phasen und Themen.

    Die Bagua können dabei zu einem liebevollen Wegweiser werden und uns lehren, bewusster, weiser und verbundener mit dem großen Ganzen zu leben.

    Für die Kurse im Energieraum habe ich zu jedem der Bagua Meditationen geschrieben, die ich nach und nach in die Kurse und Workshops einbinde. Damit möchte ich dabei unterstützen, einen Zugang zu diesem alten Wissen der Daoisten zu finden.